Bloss ein Geigenstück

Mit meiner Geige stehe ich im Saal,
Die Stille ermuntert: „es war einmal.“
Nur ich und meine Geige stehen da,
Wir lauschen der Stille, man hört sie klar.
Im hohen Saal stehen wir zu zweit,
Gemeinsam zum neuen Wandel bereit.

Lass uns beginnen, du meine Geige,
Spiel mir die Töne, die ich dir zeige,
Spiel sie mir in deiner Zärtlichkeit,
Die unter meiner Haut ihr Wesen treibt.
Im hohen Saal stehen wir zu zweit,
Und beginnen leise eine neue Zeit.

Der hohe Saal, der uns umgibt,
Er füllt sich, er schallt und wiegt
Uns in ein Meer von bitteren Tränen,
Wir können uns verstanden wägen.
Im hohen Saal spielen wir zu zweit,
Nur einen Moment, doch für die Ewigkeit.

Doch horche ich in mich hinein,
Bleibt weiter Stille, denn bin allein,
Kein Feuer in mir, um mich herum,
bloß leere Ränge, kein Publikum.
Im hohen Saal spielen wir zu zweit,
Für die Menschen in Einsamkeit.

Begleitete uns doch ein Pianist,
Flöten, Trompeter, ein Gitarrist,
Ein Orchester mit rauem Ton,
Vervollständigt mit einem Akkordeon.
Doch im leeren Saal spielen wir zu zweit,
Und warten gespannt, wo das Ensemble bleibt.

Bloss ein Geigenstück Bild


Von Andrej Bill 23. Jan’18 / Aus der 8. Ausgabe  / Photographie von Lukas Schepers

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