Die Brücke – Teil II

Am nächsten Morgen wurde Njaa von einem hellen Schrei geweckt. Er sprang auf. Karima stand mit tränenden Augen neben ihm. „Was ist denn nur?“, stieß er ängstlich hervor,“ Karima, was ist passiert und wo…wo ist Pepe?“ Ohne zu antworten, zeigte sie auf einen Kreis von Wanderer, deren Blick gegen ihren Mittelpunkt gerichtet war. Düstere Schatten zogen sich über ihre Mienen, eine Stille verbreitend, die nun auch in Njaa widerhallte. Er konnte den Gegenstand ihre Betrachtung nicht erkennen, doch wusste er bereits was ihn erwarten würde. Hastig drang er sich seinen Weg durch die Menge.
Ein Junge lag keuchend auf dem Schoss einer wimmernden Frau. Sie streichelte ihm den Kopf und sprach leise liebevolle Wörter, die Njaa nicht verstand. Der bleiche Junge hielt sich mit beiden Händen den Bauch, presste dagegen, um das dunkle Rot darin zuhalten, welches sich seinen Weg unermüdlich nach außen bahnte. Eine Stichwunde, wie es schien und die Frau die ihn hielt, war ohne Zweifel seine Mutter. „Da bist du ja!“, eine kräftige Hand packte Njaa an der Schulter. „Pepe! Ich hab mir schon Sorgen gemacht. Karima, sie weint und ich dachte schon, du seist…“
„Quatsch! Ich doch nicht! Aber dafür ist jetzt keine Zeit. Der Junge, wir müssen ihm helfen, sonst verreckt er hier noch elendig. Ich habe schon nach einem Arzt oder Medizinmann in der Menge gefragt, aber keinen gefunden. Uns bleibt nur noch eins. Komm!“
„Pepe, warte! Wo willst du denn hier mitten auf der Brücke Hilfe finden?“, schnellen Schrittes zog Pepe Njaa am Ärmel hinter sich her. Er stürmte in Richtung des Zauns, der die Fußgängerzone der Wanderer von der mit mächtigen Maschinen befahrenen Straße trennte. „Da können wir nicht rüber, das ist sicher verboten“, stotterte Njaa, als er Pepes Vorhaben durchschaute. „Stell dich nicht so an, hier geht es um ein Menschenleben, da können wir doch nicht einfach untätig herumsitzen“, die Wörter peitschten nur so aus Pepes Mund. Seine Entschlossenheit beeindruckte und besorgte Njaa gleichermaßen, doch als er sich noch einmal umdrehte und den keuchenden Jungen mit seiner wimmernden Mutter im nun geöffneten Kreis der Schaulustigen und Betroffenen hinter sich sah, fasste er allen Mut zusammen und schüttelte so viele Zweifel wie nur möglich von sich.
„Mein Freund. Ich weiß, dass das leichtsinnig ist, aber ich kann nun mal nicht anderes. Ich kannte mal jemanden, der hätte das hier auch getan und hätte er einfach seine Augen verschlossen oder es zugelassen seine Sicht durch einen Schleier von Tränen zu trüben, dann würde ich heute nicht vor dir stehen. Hör zu. Ich…“, er stockte einen Augenblick, „Ach du weißt schon, sollte wirklich was schief gehen, dann brauche ich dich sicher nicht daran zu erinnern, dass du dich um meine Blume zu kümmern hast. Sie braucht viel Wärme und das Gießen darfst du natürlich auch nicht vergessen“, bei diesen Worten wurde Njaa schwer ums Herz, Pepe hingegen beendete seinen Satz mit einem breiten Lächeln. Gekonnt schwang er sich auf die Gittermaschen und begann den Zaun zu erklimmen. „Warte du hier, sollte ich jemanden finden, der den Jungen auf die andere Seite bringt, musst du ihn irgendwie über den Zaun kriegen. Hast du verstanden?“, Njaa nickte, obwohl er nicht die leiseste Ahnung hatte, wie er diesen Auftrag erfüllen sollte. Immerhin war der Zaun mindestens fünf Meter hoch und der Junge war in keinerlei Verfassung auch nur die Hand in einer der Gittermaschen zu stecken, geschweige den ganzen Zaun zu erklimmen.
„Njaa, Pepe! Was macht ihr da? Pepe, komm da runter. Wieso bringst du uns nur immer in Schwierigkeiten. Der Junge tut mir ja auch Leid und seine Mutter erst. Aber was ist mit uns? Was ist mit mir?“, noch bevor Karima ausgesprochen hatte, erreichte Pepe die andere Seite vom Zaun. Er stand nun am Rand der Fahrbahn. Die Rauchschwaden der Abgase waren hier dichter als auf der Fußgängerzone und setzten Pepe sichtlich zu. Einen Moment lang betrachtete er kurz den Fluss der Maschinen, dann stürzte er schließlich auf die Straße und sprang mit erhobenen Händen umher. „Halt!!“
Wie eine Dampflok, die durch schalten der Notbremse zum Stop gerät, indem stählerne Haken sich in die Schienen bohren, noch ein Stück lautstark klirrend in Fahrtrichtung rutscht, rutschte nun auch die monströse Maschine auf ihren menschengroßen Gummireifen Pepe entgegen. Eingeschüchtert durch diese kolossale Masse sprang er im letzten Moment zurück an den Rand der Fahrbahn. Der von Pepe ausgelöste Stillstand des vorderen Fahrzeugs, führte notwendigerweise ebenfalls zum Stillstand aller dahinter Liegenden. Ohne viel Zeit zu verlieren, rannte er sogleich vor das Vorderste, um ein wieder Losfahren der Kolosse zu verhindern. Der Lärm der nach und nach zu stehen kommenden, metallenen Karawane war ohnegleichen. Quietschen und Schnaufen, Dampfen und Hupen, ein akustischen Gemisch, welches die Ohren der Umstehenden beinahe zum Bluten brachte.
Unbeholfen stieg ein dicker Mann mit Wollmütze aus dem vor Pepe stehengebliebenen Fahrzeug. „Jung, was machste da?“, brummte er, „Bist wohl von allen guten Geistern verlassen, was? Weißt, was da angerichtet hast, oder? Das gibt Ärger, sag ich dir, das gibt Ärger! Oh je, nie und nimmer dürfen wir anhalten! Nicht mal zum Pinkeln, wir haben doch Termine und Aufträge und Waren. Ach, du meine Güte. Was sollen wir jetzt machen? Wir müssen weiter! Los verzieh dich Bub! Vielleicht können wir die anderen noch einholen. Los verzieh dich endlich!“ Er gestikulierte wild mit seinen nachwabbelnden Armen und fasste sich immer wieder an den Kopf, während er sein Gesicht wehleidig verzog. Ein Hupen, dann noch eins und wieder, Ungeduld und Sorge machte sich wohl auch bei seinen Kollegen breit. „Deine Termine, Aufträge und Waren sind mir egal. Hör zu, da vorne hinter dem Zaun liegt ein schwer verletzter Junge. Und ich geh hier erst weg, wenn du ihn und seine Mutter in deinen riesigen LKW packst und die beiden auf die andere Seite bringst. Hast du verstanden“, fauchte Pepe den Dicken an. „Noch ein Bub? Wo? Drüben? Und verletzt? Nein, nein, das geht nicht! Es ist uns streng verboten euch mitnehmen, tun wir es doch, dann stecken die uns in Knast. Ich bin doch nicht lebensmüde! Also, los verzieh dich endlich!“ nervös fuchtelte er erneut mit den Händen. „Das kannst du vergessen!“
„Bub, ich mach keine Witze. Wir fahren dich sonst um, ich muss weiter, verstehst du nicht. Ich verlier hier noch meinen Job, wegen deines lächerlichen Streiks!“
„Mir doch egal.“
„Du hast es so gewollt“, schnaufte der Dicke schließlich hervor und stampfte wieder zu seinem Gefährt, doch noch bevor er dort ankam, kam noch ein weiterer Fahrer hinzu und beschwichtigte seinen Kollegen. „Was machst du da? Ach, beruhige dich! Die werden das schon verstehen, du hast ja Zeugen. Also nun worum geht’s? Ach, ein Junge, wirklich? Nein, das kann doch nicht sein. Und du wolltest einfach so weiterfahren? Das geht doch nicht. Hey, du da komm her! Ich nehme deinen Verletzten und seine Mutter mit, mach dir keine Sorgen“, als Pepe das hörte, rannte er sogleich dem Fremden entgegen. Er trug eine rote-weiße Schirmmütze und eine runde Sonnenbrille mit großen Gläsern. Sein Mund konnte man kaum sehen, da er einen förmlich wuchernden Bart um die Lippen herum trug. „Wirklich? Dann müssen wir ihn nur noch rüberschaffen. Njaa, hörst du?“, schrie er Njaa freudig entgegen, „er nimmt ihn mit. Schaff den Jungen irgendwie rüber!“ Njaa und Karima standen noch immer am Zaun und bangten um Pepe, als sie allerdings nun sahen, dass tatsächlich Hilfe in Aussicht stand und er unversehrt war, stürzten die Beiden eilig zu der wimmernden Frau, die fixiert auf ihren Jungen, nichts von Pepes wagemutigen Taten wahrgenommen hatten. Was die anderen betraf, die Schaulustigen und Betroffenen, diese standen alle bereits am Zaun und folgten begeistert der Szene, die sich vor ihren Augen abspielte. Karima setzte die junge Mutter schnell ins Bild und es gelang ihr auch sie von Pepes Vorhaben zu überzeugen.
Durch den Stillstand, sowohl auf der Fußgängerzone, als auch auf der Straße entstand ein zweisehniger Stau, der bei den Füßgängern in einem immer größer werdenden Knäuel an Menschen mündete. Als diese Masse an Umstehenden das Einverständnis der jungen Mutter hörten, halfen alle samt mit, zuerst den Jungen und dann die Mutter über den Zaun zu befördern. Gespannt beobachteten sie daraufhin still, wie Pepe und der Fahrer des zweiten Wagens – der Erste, der dicke Fahrer, war sofort nachdem Pepe die Straße freigegeben hatte, davon gefahren – den Verletzten und seine Mutter sicher im Fahrzeug unterbrachten. „Das war mutig von dir Junge. Wie ist dein Name?“, fragte der Schirmmützenfahrer Pepe. „Mein Name ist Pepe. Wie heißt du mein Freund?“ und wieder streckte er in gewohnter Art die Hand dem Fremden freudig entgegen. „Ich heiße Karl, Karl J. Stahlmann! Dein Name ist doch sicher nicht nur Pepe, wie heißt du weiter mein Junge? Welch schöner Name, Pepe Garcia Gustavo, wunderbar, der passt zu dir! Also dann, pass auf dich auf“, mit diesen Worten verabschiedete sich Karl von Pepe und beide zogen wieder ihrer Wege. Nachdem Pepe seinen Vortrag von Karima und den Jubel der Menschenmasse samt Njaa geerntet hatte, machten sich schließlich alle wieder auf den Weg. Njaa schwärmte noch Stunden hinweg über Pepes Heldenmut und lobte seinen Geistesblitz die Fahrzeuge zum Stehen zu bringen in hohen Tönen. Auch Karima brachte ein Lob für die Rettung des Jungen heraus, nahm es sich dennoch nicht, Pepe erneut für seinen Leichtsinn zu tadeln.
Die Sonne, die sanfter und milder schien als zuvor, teilte sich den Himmel mit einigen weißen Wolkensträngen. Die daraus entstandenen Schattenphasen, machte den Weg am dritten Tag ihrer Reise um einiges erträglicher. Njaa, der nach dem gestrigen Tag besonders sorgsam mit seinem Wasser umgegangen war, teilte sich seine Rationen mit Karima, die nach wie vor am meisten unter den Anstrengungen ihrer Reise litt. Dennoch verbrachten alle drei den restlichen Tagesmarsch in ausgelassener, ja fast feierlicher Stimmung. Als erneut die Nacht anbrach, legten sie sich eng einander auf den Asphalt, die Temperaturen waren gesunken, sodass ein jeder ihrer Atemzüge die Luft, die sie ausstießen, dampfen lies. Trotz all dem schliefen sie tief und selig, denn sie wussten, morgen würden sie endlich die Grenze erreichen, die Grenze zu den Guten.
Das Wetter hatte seit Beginn der Reise eine 180-Grad-Drehung vollzogen. Es regnete und ein kalter Wind zog sich durch die verbliebenen Reihen der Wanderer. Gemäß Pepes Prophezeiung waren auf dem letzten Streckenabschnitt immer weniger Menschen vorzufinden. Njaa, Pepe und Karima bissen die Zähne zusammen und beschworen ihre letzten Kräfte, als sie dann am Rand der Straße der LKWs einen Leichnam erblickten. Karima zuckte eisig zusammen und wollte sofort weiter, aber Pepe lies sich nicht davon abhalten über den Zaun zu klettern und den leblosen Körper näher zu betrachten. „Das kann nicht sein, das…“, seine Stimme versagte, Regen goß in Strömen über seinen Kopf, sein Haar und seine Wangen. „Das ist, das ist der Junge von gestern. DIESES SCHWEIN! Er hat ihn einfach aus dem Wagen geworfen!“
„Aber, nein, das würde er nicht tun. Karl war so nett! Oder nicht Karima und der Junge, er..“, Karima senkte den Kopf, verstummte und murmelte leblos ein paar Wörter vor sich hin. Pepe, wieder zurück auf der Fußgängerzone, sprach kein Wort mehr bis sie die Grenze erreichten. Njaa ergab sich der Stille der Beiden. Erbittert dachte er an die Geschehnisse des letzten Tages. Alles nur Lüge, alles nur Theater. Alle ihre Mühen, umsonst! Und die Mutter? Er traute sich nicht zu fragen, denn er wusste, dass sie in dem Augenblick des Verlustes ihres Sohnes, ebenfalls verloren war.
Seit einiger Zeit wunderte sich Njaa über einen massiven schwarzen Fleck, der sich in der Ferne vor ihm auftat. Auch Karima und Pepe rissen sich wieder aus ihren Gedanken und betrachteten das mit jedem Schritt größer werdende Viereck. Jemand musste ihre Blicke bemerkte haben, denn eine Stimme sprach zu ihnen: „Warum schaut ihr so Kinder? Sagt mir nicht ihr seid hier hergekommen ohne etwas von der Mauer zu wissen?“ „Mauer? Welche Mauer?“, wunderten sich alle drei zugleich. „Na die Mauer, die Mauer, die uns und die sog. Guten voneinander trennt! Kommen den ganzen weiten Weg hier her und wissen nicht einmal das!“, die Stimme lachte dunkel und verstummte dann wieder spurlos. Umso näher sie dem schwarzen Fleck kamen, desto konkreter wurden die Strukturen und Umrisse und so entpuppte sich die Mauer als ein riesiges schwarzes Tor, es war verziert mit Gold und roten Diamanten. Njaa konnte seinen Augen kaum trauen. So etwas Prächtiges und zugleich beängstigendes hatte er noch nie zuvor gesehen. An dem Punkt wo die unwahrscheinlich hohe Mauer stand, weitete sich die Brücke und eine riesige Schar von Menschen sammelte sich tropfenförmig davor. Es war immer noch hell, die Sonne stand tief, wodurch die Mauer einen alles verschlingenden Schatten über die zahlreichen Gesichter der hilflos Wandernden warf. Das Tor bestand aus zwei massiven, ebenfalls schwarz-matten Stahltüren, wovon eine geöffnet war um die zahllosen Transporte und Fahrzeuge hindurch zulassen, während das Andere fest verschlossen schien und kein Durchdringen erlaubte. Eine lange Zeit hatte es den Anschein als würde alles stillstehen. Doch nach einigen Stunden bemerkten sie, dass sie langsam nach vorne rückten.
So vergingen drei weitere Tage, an denen der Junge und seine beiden Gefährten in tobender Ungeduld vor dem geschlossenen Tor verbrachten. Am sechsten Tag waren endlich sie an der Reihe. Der Regen, den sie einst verfluchten, dankten sie über ihre Wartezeit hinweg, denn ohne ihn, wären sie vielleicht sogar verdurstet. Auf eine solch enorme Wartezeit waren sie nicht eingestellt. Aber auch unendlich viel Wasser vermag den Magen nicht zu sättigen und viel länger hätten sie nicht durchgehalten, da die mitgeführte Nahrung, Reis und etwas Brot, schon am letzten Tag des Marsches zur Neige ging. Sie standen nun vor einem, der Mauer ansässigen Gebäude, es war, im Kontrast zu dem schwarzen Tor aus weißen Marmor gefertigt. Lange starrten sie aus der Schlange heraus auf dieses menschenschuluckende Gebilde, denn keiner jener, dies es betraten, kamen auch wieder raus. „Du Pepe“, sagte Njaa kraftlos, „meinst du die lassen alle auf die andere Seite? Ich meine, wieso kommt sonst keiner wieder raus?“
„Ich weiß es nicht Njaa, aber bald werden wir es erfahren“, antwortete er matt. Seit dem Vorfall mit dem Jungen und seiner Mutter, war Pepe nicht mehr derselbe. Es schien so, als sei mit dem Jungen, auch ein Stück von ihm gestorben. Karima war wieder in ihr stilles, fast aufgesetztes Ich zurückgekehrt und bemühte sich weder zu sprechen, noch zu denken. Allein von ihrem angeborenen Lebenswillen angetrieben, ertrug sie die auf ihr lastende Pein. Weder Njaa noch Pepe konnten ihr jetzt noch Linderung verschaffen, zum einem, da sie selbst dem Ende nah waren und zum Anderen da die Maske auf Karimas Gesicht, ähnlich dem verschlossenen Tor, kein durchdringen erlaubte. „Der Nächste! Oh, gleich drei auf einmal“, sagte eine gelangweilte junge Dame am Schalter. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem prunkvollen Marmorgebäude, um einen Grenz- und Verwaltungsappart, der über das Schicksal der Wanderer entschied. „Namen!“, der Reihe nach tippte die junge Dame, auf deren Schild der Name „Süß“ stand, ihre Personalien in ein, Njaa unbekanntes, Gerät ein. „Wer von euch ist Pepe Garcia Gustavo? Du? Einen Moment bitte!“, gelassen griff Frau Süß zum Hörer und meldete der Stimme auf der anderen Seite seine Ankunft. Einige Minuten später trafen zwei Männer, sich zum Verwechseln ähnlich, bei der Gruppe ein. „Wer von euch ist Pablo Garcia Gustavo?“, sagte einer der Beiden. „Das bin ich“, antwortete Pepe und trat hervor.
„Mitkommen!“
„Wieso? Wer seid ihr überhaupt?“
„Wir sind vom Grenzschutz. Und uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie, Pepe Garcia Gustavo, am gestrigen Tage für einen völligen Stop unserer Transporter verantwortlich waren. Ein tüchtiger Fahrer hat uns alles berichtet. Kommen Sie jetzt mit uns“, alle drei erstarrten, aber sogleich flammte ein zügelloser Zorn in Pepe auf. „Hat er Ihnen auch gesagt, dass er einen sterbenden Jungen aus dem Auto geworfen hat? Oder war es der Dicke? Sagt mir, wer hat euch das erzählt und wo ist Karl?“, tobte Pepe die beiden Beamten an. „Karl? Sie sollte sich besser beruhigen, ihre Lage ist ohnehin schon schlecht. Folgen Sie uns jetzt, ansonsten sind wir dazu genötigt Gewalt anzuwenden.“
„Gewalt, na dann kommt doch..“, noch bevor Pepe seinen Satz beenden konnte, wurde er von einen blau-blitzenden Gegenstand berührt, der ihn sofort zusammen klappen ließ. „Tzz, welch ein Problemfall. Seinetwegen hatten unsere Waren ganze 35 Minuten und 23 Sekunden Verspätung. Die Kosten, die er damit Firma Gut & Freundlich verursacht hat, könnte er ins seinem ganzen Leben nicht abarbeiten.“ Karima, wie gelähmt vor Angst, klammerte sich an Njaa. Keiner der Beiden verstand, was da gerade vor sich gegangen war. Es war Karima, die als Erstes zu sich kam, „Moment, was macht ihr? Wohin bringt ihr ihn?“, stammelte die schöne Blume. „Keine Sorge junge Frau. Wir bringen ihn zum Gericht, da bekommt er einen fairen und vor allem kurzen Prozess!“ Beide lachten. „Aber sie einer mal an, wie hübsch Sie sind. Sie möchten doch sicher ebenfalls auf die andere Seite. Sie! Wie ist ihr Name? Ah da, Frau Süß, rufen sie in der Behörde für Unterhaltung an und melden sie diese liebreizende junge Dame für das „Vergnügen ohne Grenzen“- Programm an. Ich bin mir sicher, die werden Sie mit solchen Reizen kaum ablehnen können“
„Aber Pepe, was ist mit Pepe? Geht es ihm gut? Kann er mich da besuchen kommen? Was ist das für ein Programm? Bitte tun sie ihm nicht weh. Er hat ein gutes Herz! Ich…“
„Folgen Sie einfach den Anweisungen und alles wird gut junge Frau!“, damit entfernten sich die beiden, Pepe hinter sich her ziehend, wieder. Tod, daran dachte Njaa als er jetzt Karimas Gesicht sah. Die schöne Blume war war verwelkt, ihr Wille erloschen. „Glückwunsch Frau Karima Isabella Torro! Bitte folgen sie dem Gang zu meiner Rechten und warten dann dort. Es wird jemand kommen und sie bald zur anderen Seite bringen.“
„Karima, sag doch was, so tu doch was! Wo bringen die Pepe hin?“, Njaa war wie versteinert, diese Leute, gegen die selbst Pepe machtlos war und Karima! Was sollte er, wie sollte? „Njaa, wir sollten tun was sie sagen, lass mich gehen. Das sind ja hier die Guten, das hast du doch selbst gesagt, die wissen schon was richtig ist!“ Ihre Stimme klang verändert, fremd. Einen Moment lang stand alles still, Njaa schaute Karima fest in die Augen, doch diese wendete sich mit starren, leeren Blick ab und folgte den Anweisungen von Frau Süß.
Nun, am Ende von Njaas Reise, war er wieder allein und so fühlte er sich auch. Wofür diese ganzen Anstrengungen und Strapazen einer solchen Reise, wofür diese ganzen Anstrengungen und Strapazen des Lebens, wenn man am Ende doch wieder mit nichts und alleine dasteht. Wozu Freundschaften? Wozu Nächstenliebe?Pepe war der mutigste und tollste Mensch den ich kannte und hier, auf dieser elenden Brücke, die nur eine Richtung kennt, hier war er nichts, absolut nichts wert! Hier bei den anderen, waren seine guten Taten schlechte, seine Tugenden Schwächen. Und Karima, sie ist einfach so gegangen. Sie wollte immer nur Pepe, er war ihr Antrieb, von Anfang an war ich ihr nur eine Last. Und ich habe mein Wasser mit ihr geteilt! Nein, so kann es doch nicht enden. Sie werden mich sicher abweisen. Nein. Nein! Es reicht! Ich habe Hunger, schon mein ganzes Leben lang habe ich Hunger! Seid sie mein Dorf, meine Familie, meine Schwestern und Brüder vor meinen Augen gequält und niedergebrannt haben. Ja, auch sie haben mich verlassen, so wie Pepe und Karima jetzt. Ich will hier weg. Ich will einer von Ihnen sein! Eine Chance will ich, ein Leben!
„Nun Herr, ehm, wie war ihr Nachnahme?“
„Ich habe keinen, einfach nur Njaa“, antwortete Njaa mit finsterer Miene. „Nun, also Herr Njaa, aus welchem Grund meinen sie privilegiert zu sein, auf unsere Seite der Meereenge übersiedeln zu dürfen?“ Njaa hatte sich vor Beginn seiner Reise genau zurechtgelegt was er im Falle dieser Frage antworten würde. Er wollte von seinen Qualen und Leiden berichten, von seinem abgebrannten Dorf und die Armut, die er daraufhin leiden musste. Die Unmöglichkeit Arbeit zu finden und die ständige Gefahr, die er Kriminellen und Fanatikern ausgesetzt war. Er wollte schlicht nach Hilfe fragen, aber jetzt wusste er, dass es nur eine Antwort auf ihre Frage gab.
„Weil ich auch gut sein kann!“

Von Kamil Tybel

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