Ein Dienstag in Paris

In unregelmäßigen Intervallen schlagen die Regentropfen gegen die Windschutzscheibe des schwarzen Autos. Das dadurch verursachte Rauschen übertönt jedes Mal die Stimme des Nachrichtensprechers im Radio, weshalb die ein oder andere Meldung unvollständig bleibt. Frankreichs Nationaltrainer muss auf irgendeinen Spieler verzichten, das Parlament tagt zu einer wichtigen Sache und es gibt Verkehrsbehinderungen wegen einer Großdemonstration. Albert interessiert das nicht weiter, er hat die Nachrichten bereits vor einer halben Stunde gehört und wartet nur, bis endlich wieder Musik gespielt wird. Normalerweise raucht er seine Zigarette draußen stehend an sein Taxi gelehnt, doch diesen Morgen hat das Wetter ihm die Lust an seinem lieb gewonnenen Ritual verdorben und Albert muss sich mit einem halb geöffneten Fenster als einzigem Zugang zu frischer Luft zufriedengeben. Auch wenn das Duftspray stets im Handschuhfach liegt, versucht er, den größten Teil des grauen Qualmes so schnell wie möglich nach draußen zu befördern, was ihm das Rauchen eher wie eine Pflicht als einen Genuss erscheinen lässt. Aber die Vorstellung, den unangenehm künstlichen Blumengeruch des Sprays die nächsten Stunden ertragen zu müssen, behagt ihm noch weniger. Schließlich nimmt er einen letzten, wie immer besonders tiefen Zug von seiner Zigarette und schnipst den Filter anschließend aus dem Fenster, den wenige Meter entfernten Mülleimer nur knapp verfehlend. Das erste Lied nach den gefühlt endlosen Nachrichten und dem wenig überraschenden Wetterbericht, ist ein französischer Popsong aus den 80ern, den Albert in seiner Jugendzeit gern gehört hat. Eine Funkdurchsage, nach der er ins 6. Arrondissement fahren soll, unterbricht die Gedanken an seine „wilden Jahre“ und holt ihn abrupt in die Realität zurück. Er trinkt noch schnell einen großen Schluck Kaffee, betrachtet skeptischen Blickes den grauweißen Himmel durch die Windschutzscheibe und antwortet dann in knappen Worten der Zentrale. Sein Arbeitstag hat begonnen.
In einer Querstraße unweit des Jardin du Luxembourg warten bereits seine ersten Kunden. „Fußballfans – was sonst?“, schießt es Albert beim Anblick der drei jungen Männer unwillkürlich durch den Kopf. Zwar ist das Trinkgeld in der Regel angemessen, aber die aufdringliche, laute Art der meisten Fußballtouristen zerrt nicht selten an seinen Nerven. Zudem sind aufgrund der Sprachbarriere kaum Unterhaltungen möglich, welche sonst eine willkommene Abwechslung in Alberts Arbeitsalltag darstellen. Nachdem sich die Männer entscheiden konnten, wer vorne sitzt, sagen sie ihm in englischem Akzent, dass sie zum Arc de Triomphe möchten. Vermutlich sind sie nicht lange in der Stadt und wollen sich tagsüber die Sehenswürdigkeiten anschauen. Immerhin besser, als die, die nur zum Saufen kommen, denkt sich Albert. Als sie gerade in stockendem Verkehr die Rue de l’Université entlangfahren, fragt ihn der neben ihm sitzende Fahrgast, ein recht grobschlächtig aussehender Typ mit Adlernase, auf Englisch, ob er denn die EM verfolge. Allein weil sein Beruf es erfordert, versteht Albert die Sprache ganz gut, aber wie die meisten seiner Landsleute, spricht er sie weder sonderlich gern noch gut. Und nun wird er seit Tagen von jedem zweiten Fahrgast gefragt, ob er denn für Frankreich sei, das Spiel gesehen habe oder lieber die WM schaue. Letzteres rührt wahrscheinlich daher, dass die Leute aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe denken, Albert wäre Fan irgendeines afrikanischen Teams. Wie dem auch sei, stets antwortet er in knappen Worten, dass Fußball nicht sein Sport wäre. Einerseits stimmt dies tatsächlich – hochgewachsen, wie er war, wurde Basketball schnell zum Spiel seiner Wahl – andererseits würde eine andere Antwort nur die Wahrscheinlichkeit auf weitere Fragen unnötig erhöhen. Dieses Mal funktioniert aber auch das nicht. Sich mit seinem Kopf bis zwischen die beiden vorderen Sitze vorbeugend, fragt ihn nun ein rothaariger Mitzwanziger, ob er denn nicht für Frankreich sei. „Soll das ein Test sein?“, war Alberts erster Gedanke. Doch schnell ärgerte er sich fast ein wenig über sein Misstrauen, es war schließlich nur eine harmlose Frage. Natürlich sei er für Frankreich, gucke aber die Spiele nicht, ist letztlich seine mehr oder weniger wahrheitsgemäße Antwort. Wenn er tatsächlich mal mit Freunden ein Spiel schaut, freut sich Albert zwar mit allen zusammen über Frankreichs Tore, doch wirklichem Patriotismus entspringt dies nicht. Wie könnte er auch patriotisch sein, nach allem, was ihm seine Eltern über die Erlebnisse seiner Vorfahren unter französischer Kolonialherrschaft erzählt haben? Einem anderen Land fühlte sich Albert aber auch nie zugehörig. Er ist in Frankreich groß geworden, hat hier gute wie schlechte Erfahrungen gemacht und letztlich doch stets ein relativ gesichertes Leben führen können. Es erscheint ihm merkwürdig, dass die Nationalität für immer mehr Menschen eine so große Rolle zu spielen scheint. „Keine gute Entwicklung“, resümiert Albert, während er im Vorbeifahren bemerkt, dass sein Lieblingskiosk heute scheinbar geschlossen ist.
Den Rest der Fahrt waren die drei Fußballfans wieder in eigene Gespräche vertieft und Albert konnte bis zum Ziel in Ruhe seinen Gedanken nachhängen. Kurz nachdem er seine Fahrgäste rausgelassen hat, klingelt Alberts Handy.
„Hey Louise, was gibt’s?“, begrüßt er seine Kollegin.
„Albert, wo bist du?“
„Im 8. Arrondissement.“
„Kommst du nachher zum Place d’Italie?“
Er hatte diese Frage erwartet. Louise war Gewerkschaftssekretärin in dem Fahrunternehmen, für das sie beide ihre Runden drehten und hatte in der Zentrale schon vor Wochen ein großes Plakat als unübersehbaren Hinweis auf die heutige Demonstration angebracht. Der Chef hat es mehrmals abgenommen, aber wohl nicht mit Louises Hartnäckigkeit gerechnet, die es immer wieder von neuem aufhing.
„Du weißt, dass ich das Geld brauche, Louise.“
„Ich weiß, Albert, aber der heutige Tag ist echt wichtig. Es geht nicht nur um uns.“
Eigentlich hätte er ihr gerne gesagt, dass er gleich da ist. Ihn beeindruckte das Engagement seiner jungen Kollegin, die immer so unerschrocken über „die da oben“ herzog und die Arbeit der Gewerkschaft hielt Albert auch für wichtig. Er hat schon oft überlegt beizutreten, aber wollte am Ende doch lieber unauffällig bleiben. Der Gedanke daran ärgert ihn, wirkt es doch so, als fehle ihm einfach der Mut.
„Tut mir leid. Vielleicht will ja ein Fahrgast hin, dann steige ich kurz aus und schwenke die rote Fahne.“
Albert muss unvermittelt an die Fußballfans denken und ein laues Gefühl der Trübe steigt in ihm hoch.
„Na gut; melde dich, wenn du es dir anders überlegt hast. Adieu, Albert.“
„Adieu.“
Kaum hat er aufgelegt, wird ihm bereits sein nächster Auftrag durchgegeben. Es ist nur einige Hundert Meter entfernt, dennoch wird es ein paar Minuten dauern, bis er da ist. In der Innenstadt ist der Verkehr immer stark, aber nirgends war es so schlimm wie im 8. Arrondissement. Dabei war es um diese Uhrzeit sogar noch besser als gegen Abend hin. Albert denkt an den Rest seines Arbeitstages. Mit einer hastigen Bewegung presst er plötzlich seine Handfläche gegen die Hupe, was sein Vordermann, der legitim die Spur wechselte, unverzüglich erwidert. Wenig später biegt Albert in eine kleine Seitengasse und erblickt auch schon zwei am Straßenrand stehende Geschäftsleute, vermutlich seine nächsten Fahrgäste. Beide steigen hinten ein und setzen ihr draußen begonnenes Gespräch praktisch nahtlos fort, nur unterbrochen durch eine kurze Begrüßung sowie die Nennung ihres gewünschten Zielortes. „Eine Schande für Paris, was sage ich, für ganz Frankreich!“, war der erste Satz, den Albert bewusst vom Gespräch der beiden Franzosen aufschnappt. „Seit Wochen nehmen sie die ganze Bevölkerung in Geiselhaft, schwächen unsere Wirtschaft und was macht die Regierung? – Lässt sie mit ihren roten Fahnen durch Paris marschieren!“. Albert muss sofort an seinen letzten Satz zu Louise denken. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen und er stellt den Scheibenwischer aus.
„Dabei ist die Reform noch viel zu harmlos. Das sind doch alles nur punktuelle Lockerungen, anstatt eines richtigen Bruches mit dem überkommenen System“, ist die Antwort des anderen Fahrgastes, dessen unangenehm starkes Parfüm Albert auch quer durchs Taxi noch riechen konnte. „Hätten es nicht Fußballfans sein können“, murmelt er grimmig vor sich hin. „Hollande soll einfach mal einen Blick nach Deutschland werfen. Haben die einen so starren Kündigungsschutz? Haben die Unternehmen dort auch kaum Möglichkeiten flexibel auf die Wirtschaftslage zu reagieren? Haben sie einen Staat, der uns Unternehmer jeglicher Freiheiten beraubt? – Nein! Und genau deshalb sind sie so erfolgreich, sage ich dir.“ Albert versucht ruhig zu bleiben, auch wenn er den beiden arroganten Krawattenträgern nur zu gerne die Meinung gegeigt hätte. Louise hätte das sicher gemacht. Aber er war nicht wie Louise. „Das eigentliche Problem besteht doch darin, dass Hollande diese Verbrecher von der Gewerkschaft einfach machen lässt. Die wiegelt mit ihren Lügengeschichten noch die ganze Bevölkerung auf und irgendwann hört keiner mehr auf rationale Argumente in diesem Land!“ Albert schaltet das Radio etwas lauter, wird aber von dem jüngeren der beiden Fahrgäste kurz darauf gebeten, es wieder runterzudrehen, da man sich sonst nicht unterhalten könne. Eine weitere Ampel unterbricht die Fahrt. Albert versucht, an seine Familie zu denken und daran, dass es nun mal sein Job ist, dass er das Geld braucht. „Den Arbeitern geht es hier doch besser als in jedem anderen Land Europas. Eigentlich sollten wir sie nach einem Tag wie heute einfach nicht mehr in die Betriebe lassen, damit sie mal realisieren, dass ohne uns nichts geht. Auf allen Vieren werden sie wieder angekrochen kommen, sage ich dir.“ Sein parfümierter Gesprächspartner lacht bei dieser Vorstellung kurz auf. Alberts Hände drücken sich fester in das schwarze Leder des Lenkrads. Er bemüht sich, nicht in den Rückspiegel zu schauen. „Ohne uns müssten sie sich dann am Ende des Monats entscheiden, ob sie lieber die Stromrechnung oder den Gewerkschaftsbeitrag zahlen wollen.“ Eigentlich will er noch mehr sagen, aber beide fallen unwillkürlich in ein herzhaftes Lachen. „Du sagst es, mein Lieber, wir lassen ihnen einfach zu viel durchgehen.“, stimmt schließlich der andere zu.
Dann bleibt das Taxi abrupt stehen. Albert dreht sich zu den beiden Männern um, nennt den Betrag und sagt, dass er es leider eilig habe. Die Geschäftsleute scheinen etwas verwundert über die Kürze der Fahrt, doch noch bevor sie irgendwie reagieren können, sagt Albert, dass sie sich in einer Querstraße wenige Meter von ihrem Ziel entfernt befänden. Direkt am Café könne er nicht parken. Die beiden sehen sich kurz an, dann holt der hinten links Sitzende ein paar Scheine hervor und bezahlt. Schnell hat Albert das Wechselgeld rausgegeben, etwaiges Trinkgeld ignorierend, da sind die diskussionsfreudigen Fahrgäste auch schon ausgestiegen. Die Reifen quietschen leicht, als der schwarze Wagen anfährt. Nichts wie weg, denkt Albert, der die beiden etwa eine halbe Wegstunde von ihrem Ziel entfernt rausgelassen hat. Vielleicht bin ich doch ein wenig wie Louise, sinniert der frisch gebackene Streikteilnehmer, als er einige Straßen weiter das Funkgerät ausstellt. Seine Mundwinkel heben sich zu einem Lächeln: „Nächster Halt: Place d’Italie“.

„Habe ich das wirklich gerade gemacht?“, ist Alberts erster Gedanke, nachdem er sein Taxi in einer Querstraße des 5. Arrondissements abgestellt und sich soeben eine Zigarette angezündet hat. Eigentlich war sein Plan, direkt zur Demonstration zu fahren, doch der dichte Verkehr und die vor Aufregung am Lenkrad zitternden Hände, bewogen ihn zum Umdenken. Nun steht Albert etwa zehn Meter von seinem Auto entfernt und die verschiedensten Szenarien, was seine tollkühne Aktion alles für Folgen haben könnte, durchströmen in wirrer Reihenfolge seinen Kopf. Zwischen den ersten fünf, sechs Zügen an der rasch kleiner werdenden Zigarette liegen nur marginale Pausen. Langsam verschwindet die Aufregung aus seiner Brust; dieses Gefühl, als würde ein viel zu hastig schlagendes Herz die Lunge völlig durcheinanderbringen und eine geordnete Atmung unmöglich machen. Alberts Blick verlässt den schwarzen Asphalt und richtet sich auf die vielen, für Paris so typischen kleinen Balkone, welche die detailliert ausgearbeitete Fassade der kleinen Gasse schmückten. Eine Frau gießt gerade ihre Pflanzen, ohne selber auch nur annähernd auf dem kleinen Wohnungsvorbau stehen zu können. „Eigentlich ist es halb so schlimm“, denkt sich Albert. Zwar werden die vornehmen Anzugträger sich aller Wahrscheinlichkeit nach bei seinem Chef beschweren, aber dann wird er einfach sagen, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt habe. Für eine Kündigung reicht es in keinem Fall, da ist sich Albert jedenfalls sicher. Zumal ihm das Recht zu streiken sowieso zustehe, ob nun von Anfang an oder erst nach kurzer Arbeitszeit. Das hatte ihm Louise mal gesagt.
Ruhigen Schrittes geht er zum Wagen und holt aus dem Handschuhfach in Alufolie eingewickelte Brote und eine kleine Flasche Wasser. Der Hunger war nach all der Aufregung überraschend plötzlich gekommen und Albert ist die ehrliche Befriedigung beim ersten Biss ins Käsebrot deutlich anzusehen. Lediglich der Gedanke an das ausbleibende Gehalt betrübt ihn noch etwas, auch wenn er sich sagt, dass es am Ende schon irgendwie gehen wird. Im Kopf spielt Albert bereits durch, was er am Abend seiner Frau erzählen wird. Die Fragen meint er dabei schon ziemlich genau zu kennen: Warum mit so einer ungestümen Aktion seinen Job riskieren? Woher dieser spontane Ausbruch nach all den Jahren des fast überbordenden Pflichtbewusstseins? Und habe er denn nicht an seine Familie gedacht?
Bei dieser Frage stockt Albert. Auch wenn es nicht wirklich danach aussieht, hatte er tatsächlich immer wieder an seine Familie gedacht, bevor er die Herren Unternehmer an die frische Luft setzte. Doch wie passt das zusammen? Waren ihm Frau und Kinder nicht so wichtig, der Gedanke an sie nicht stark genug? Oder tat er es am Ende gar für sie? Im Moment kann sich Albert keinen Reim darauf machen, nimmt sich aber vor, später noch einmal darüber nachzudenken.
Gerade als er sich wieder in Richtung seines Taxis wenden möchte, fährt auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein kleiner Lieferwagen weg und offenbart ihm die Sicht auf das örtliche Büro der PS, den gerade regierenden „Sozialisten“. Neugierig geht Albert rüber und betrachtet die bemitleidenswerte Frontseite, gezeichnet von mehr als einem Dutzend Steinschlägen sowie unzähligen Schriftzügen. Die Innenseite des Büros ist durch dicke, weiße Vorhänge vor den Blicken der Außenwelt geschützt. Albert bückt sich leicht, um eine etwas undeutliche Botschaft, welche direkt unter ein großes Loch im Glas geschrieben ist, genauer zu betrachten. „Sozialverräter“, liest er leise vor sich hin. Seine tiefen, dunklen Augen ruhen eine Weile auf dem Loch, von dem aus kleine Risse gleich Wurzeln in alle Richtungen ausströmen. „Arbeitsverweigerung ist eine Sache, aber das hier, sinnlose Zerstörung, Vandalismus, eine andere“, denkt sich der zweifache Familienvater beim Anblick des eigenartig filigranen Gebildes.
Im nächsten Moment schreckt das laute Hupen einer Art Tröte Albert auf. Sein Blick wandert nach rechts, wo auf der Hauptstraße gerade eine Gruppe von etwa einem Dutzend Arbeiter, alle mit Fahnen ihrer Gewerkschaft CGT in der Hand, vorbeizieht. Blitzartig wird ihm wieder bewusst, dass gleich die große Arbeiterdemonstration am Place d’Italie beginnt. Während er zum Auto zurückgeht, wählt Albert bereits die Nummer seiner Frau, um ihr zu sagen, in welch unerwarteter Weise sich sein Tagesplan geändert hat. Bereits im Wagen sitzend, fehlt nur noch ein kurzer Druck auf den grünen Hörer, um die so vertraute Stimme zu hören und ihr stolz von dem Erlebten zu erzählen. Er zögert. Reglos verharrt sein Daumen einige Millimeter über dem Display. Dann drückt Albert in einer hastigen Bewegung den länglichen Knopf an der Seite und wirft das Smartphone auf den Beifahrersitz. „Später“, sagt er sich und dreht den Zündschlüssel um.
Schon etwa 300 Meter vor seinem Ziel ist die Straße nur noch eine schwer zu durchdringende Masse aus Gewerkschaftsbussen, Infoständen und Menschen, die mit ihrer Kleidung, ihren Fahnen oder anderen Accessoires scheinbar keinen Zweifel darüber aufkommen lassen wollen, auf wessen Seite sie stehen. Albert ist mulmig zumute dort durchzufahren, auch wenn der Anblick weiterer Taxis im Rückspiegel und die Versicherung Louises, die ihm schrieb, dass er bis zum Platz vorfahren könne, ihn etwas beruhigen. Nur noch im Schritttempo vorankommend, beobachtet Albert erstaunten Blickes die schier unzähligen Fahnen. Zwar dominieren das Rot-Gelb der CGT-Gewerkschaft sowie das Rot-Weiß der Kommunistischen Partei, trotzdem würde ihm auf Anhieb keine Regenbogenfarbe einfallen, die es nicht mindestens auf ein Banner geschafft hätte. Dabei stehen die Variationen an Buchstabenkombinationen jenen an Farben in nichts nach, wobei Albert hinter vielen von ihnen neben Gewerkschaften vor allem politische Organisationen vermutet. Selbst hatte er schon lange das Interesse an Parteien verloren. Es gab Zeiten, in denen sein Stimmzettel am Wahltag in der Urne landete und Albert in den darauffolgenden Jahren darauf achtete, ob sich etwas veränderte. Doch egal, welche Partei auch als Sieger hervorging, er konnte nie einen Unterschied ausmachen. Manchmal gab es minimale Verbesserungen, manchmal Verschlechterungen, aber meistens lief für ihn alles so weiter wie bisher. Es schien für Alberts Leben und das seiner Familie keinen Unterschied zu machen, wer gerade regiert. Irgendwann kam er sich schließlich dumm vor, bei diesem Zirkus weiter mitzumachen. Nun ärgert es ihn fast etwas, all die Fahnen hier zu sehen. „Nouveau Parti anticaptaliste“ prangt auf einer, die ihm gerade ins Auge fällt. „Neu und antikapitalistisch – welch originelle Idee“ spottet Albert, bevor er kopfschüttelnd seinen Blick von der auffällig großen Fahne abwendet. „Mal schauen, was Louise davon hält“.
Die schleichende Fahrt gibt Albert zumindest die Möglichkeit, in die vielen Gesichter der Menschen um ihn herum zu schauen. Ihm fällt auf, wie unterschiedlich sie zwar in Bezug auf Hautfarbe oder Alter sind, wie aber allen eine gewisse Ausgelassenheit, ja fast Fröhlichkeit gemein ist. Die Menschen unterhalten sich, trinken zusammen Wein, lachen und einige tanzen sogar. Albert hatte sich die Demonstration eigentlich viel ernster vorgestellt. Die alle paar Meter aufgestellten Straßengrills, in deren Pfannen Würste und Anderes in Litern von Öl geradezu ertränkt werden, erinnern ihn vielmehr an eine Art Volksfest. Albert muss plötzlich schmunzeln beim Anblick zweier älterer Damen, die in ihren Gewerkschaftswesten auf dem Bordstein sitzen und gerade derart herzhaft in ihre vor Fett triefenden Schaschlikspieße beißen, als wollten sie irgendwem beweisen, wie leicht sie es mit dieser Mahlzeit aufnehmen können.
Immer mehr Streikende, die vor oder neben dem Taxi laufen, gucken nun auch Albert direkt an, wobei einige einen eher prüfenden Gesichtsausruck haben, andere mit dem Kopf nicken und wieder andere einfach nur kurz lächeln. Albert freut sich über die ungewohnte Aufmerksamkeit, ist er als Taxifahrer sonst doch eher ein unsichtbarer Arbeiter, eine Art Selbstverständlichkeit, die es wahrscheinlich gar nicht mehr geben würde, wenn Maschinen seinen Job übernehmen könnten. Hatte Albert sich am Anfang noch darüber geärgert, im Schneckentempo vorwärts rollen zu müssen, so genoss er es inzwischen fast ein wenig. Nur wenn Demonstranten ihn mit halbhoch gehaltener Faust grüßten, wurde der nun sichtbare Arbeiter Albert immer etwas verlegen und erwiderte die Geste lediglich mit einem leicht gezwungen aussehenden Lächeln. Dabei kam immer ein merkwürdiges Gefühl in ihm hoch. Einerseits freute er sich, dass ihn die Menschen als Mitstreiter sahen, andererseits war ihm noch gar nicht klar, ob er das überhaupt wollte. Es war doch eher ein spontaner Ausbruch als wirkliche Überzeugung, die ihn hierherbrachten, denkt sich Albert. Und dann waren da auch noch die zerbrochenen Fensterscheiben ein paar Straßen weiter. Und all die merkwürdigen Fahnen. „Erstmal beobachten“, ist schließlich sein Fazit.
Inzwischen ist das Taxi nur noch einige Dutzend Meter vom Platz entfernt. Riesige rote Ballons schweben wie Orientierungsbojen über dem Gelände; im hinteren Bereich meint Albert dunkle Rauchschwaden emporsteigen zu sehen. Sein Herzschlag beschleunigt sich. Plötzlich bemerkt er einen leichten Widerstand an der Stoßstange und tritt unverzüglich auf die Bremse. Ganz auf das Geschehen in der Ferne fokussiert, vergaß der sonst so gewissenhafte Taxifahrer für einen Moment, was sich direkt vor ihm abspielte. Der Mann, den Albert soeben leicht rammte, schaut ihn mit tiefen Falten auf der Stirn und einem Funkeln in den braunen Augen an. Er ist vielleicht 65 Jahre alt, wobei die sonnengebräunte, fast ledrig wirkende Haut und das dichte weiße Haar auch auf ein weit höheres Alter schließen könnten. Albert öffnet die Fahrertür, geht einen Schritt raus und entschuldigt sich mehrmals bei dem Mann, sofort gefolgt von der Frage, ob ihm etwas passiert sei. Doch anstatt eine Antwort zu erhalten, guckt ihn der Fremde weiter grimmigen Blickes an. Dann beugt er seinen Oberkörper vor, scheinbar um die Stelle zu untersuchen, wo ihn das Taxi wenige Augenblicke zuvor leicht rammte, wobei seine Augen erst im letzten Moment von denen Alberts abweichen. Anschließend erhebt er sich wieder, nun noch ernster schauend. Seine rauen Lippen pressen sich aneinander, wodurch die scharfen Konturen seiner Nase deutlich zum Vorschein kommen und dem Gesicht etwas unabweislich Bedrohliches geben. Albert ist verunsichert, weiß weder, ob er aussteigen noch die Tür schließen soll. Den alten Mann weiterhin beobachtend, fällt ihm plötzlich eine Bewegung seiner Lippen auf. „Schreit er mich jetzt an?“ schießt es ihm unverzüglich durch den Kopf. Bereits über eine Rechtfertigung nachdenkend, bemerkt Albert gar nicht, wie sich die Mundwinkel des Fremden heben und so schreckt er kurz auf, als unvermittelt ein raues, zweifellos aus einer Raucherkehle kommendes Lachen ertönt. Es hält einige Sekunden an, mehrmals begleitet von abwinkenden Handbewegungen des alten Mannes. Albert ist sich nicht sicher, ob diese darauf hinweisen sollen, dass nichts passiert sei oder dass er nicht glauben könne, Albert habe ihm seine Wut tatsächlich abgekauft. In jedem Fall entspannt sich sein Körper wieder und nach einer Weile fällt er ins Lachen seines Gegenübers ein. Schließlich klopft der Fremde mit seiner linken Hand leicht auf die Motorhaube und hebt sie anschließend, den Arm nur wenig angewinkelt, zur Faust. Wie jedes Mal, nickt Albert, freundlich guckend, mit dem Kopf und setzt sich dann schnell wieder ins Auto. Bereit loszufahren, bemerkt er, dass der alte Mann seine Pose kein bisschen geändert hat, ihn nun lediglich etwas schärfer ansieht als zuvor. Albert hält inne, in seinem Kopf mit den gleichen Gedanken wie zuvor konfrontiert. Er meint etwas Fragendes in den von Neuem funkelnden Augen des Mannes zu sehen. Die Sekunden verstreichen. „Warum ist ihm so wichtig, dass ich meine Faust hebe? Warum ist mir so wichtig, dass ich es nicht tue?“. Albert sitzt reglos da, beide Hände am Lenkrad. Soviel sich um ihn herum auch abspielt, seine Augen sind fest auf die des Fremden gerichtet, fast so, als ginge etwas Magnetisches von ihnen aus. Langsam hebt er schließlich die rechte Hand und ballt sie zur Faust. Das Funkeln in den Augen des alten Mannes verändert sich. Nach einigen Augenblicken nickt er, lächelt und verschwindet dann ruhigen Schrittes in der Menge. Albert bleibt noch kurze Zeit reglos sitzen, blickt sich anschließend noch einmal um und fährt wieder los.
„Nun gehöre ich wohl doch dazu“, ist sein letzter Gedanke, bevor er schließlich den Platz erreicht.

Alberts Taxi befindet sich nun am Rand einer mehrspurigen Straße, die kreisförmig den Mittelpunkt des Platzes einrahmt. Die Architektur ähnelt der des bekannteren Place Charle-de-Gaulle, nur das dort die Straße wesentlich breiter ist. Alberts Blick wandert in schneller Abfolge von rechts nach links. Erstaunt bemerkt er, dass die ihm zugewandte Seite des Platzes fast vollständig von Taxis umgeben ist, wenn auch mit recht großem Abstand zwischen den einzelnen Wagen. „Da hat mir Louise ja was eingebrockt“, ärgert sich Albert bei dem Gedanken daran, hier einen Parkplatz finden zu müssen. Ohne diese lästige Aufgabe hätte ihn das Wissen um die Anwesenheit so vieler Kollegen vielleicht sogar gefreut. Nachdem ihm ein Blick über die Schulter die vermeintliche Aussichtslosigkeit seiner Lage verdeutlicht hat, zeichnet sich beim Umdrehen plötzlich ein überraschter Ausdruck auf seinem Gesicht ab. Schnellen Schrittes läuft eine kräftig aussehende Frau in gelber Warnjacke, auf der rechten Brust das vertraute CGT-Logo, vor sein Auto. Konzentriert erteilt sie ihm Anweisungen. Soweit Albert die Zeichen richtig gedeutet hat, soll er zunächst nach rechts fahren und sich später in die erste Reihe von links einordnen. Mit einer flüchtigen Bewegung reicht sie dem vorbeifahrenden Albert schließlich noch einen Aufkleber der Gewerkschaft durch das geöffnete Fahrerfenster, den dieser schnell in seiner Hemdtasche verstaut. Wenig später steht sein Taxi auf dem für ihn vorgesehen Platz, dem letzten, bevor eine Reihe von Infoständen das Parken unmöglich macht.
Nachdem Albert die Fahrertür geöffnet und bereits das erste Bein auf die Straße gestellt hat, hält er abrupt inne. Sein Blick verharrt auf einem kleinen, an der Sonnenblende angehefteten Foto. Es zeigt vier lächelnde Menschen, zwei große und zwei kleine, vor einer himmelblauen Leinwand. Albert sinkt in den Fahrersitz zurück, die Augen inzwischen woanders hingewandt, doch genauso starr wie vorher. Tiefe Falten bilden sich auf seiner schwach glänzenden Stirn. Minuten verstreichen, in denen nur die unregelmäßige Bewegung seiner Lider die mechanische Stille durchbricht. Dann, wie aus weiter Ferne kommend, kehren plötzlich die Klänge der Demonstration langsam in Alberts Bewusstsein zurück. Ruckartig hebt er seinen Kopf. Die Falten auf seiner Stirn lösen sich auf und die Augen werden wieder klar. Als Albert sie erneut auf das kleine Foto richtet, ist der Schleier der Nachdenklichkeit von ihnen verschwunden. Entschlossen klappt er nun die Sonnenblende zu und steigt mit einer schnellen Bewegung aus dem Taxi.
Kaum im Freien, verspürt Albert eine unerwartet drückende Hitze auf seiner Haut. Es waren inzwischen nur noch wenige Wolken am Himmel und er hatte das Gefühl, als würde das wilde Treiben um ihn herum die Wärme der Sonnenstrahlen noch verstärken. Erste Schweißperlen rinnen ihm die Stirn hinunter. Mit ruhiger Hand öffnet Albert die Knöpfe seines weißen Hemdes, auf dessen Rückseite der Name seiner Firma prangt. Bevor er es auf den Rücksitz des Autos schmeißt, nimmt er noch schnell den Inhalt der Brusttasche heraus, eine Zigarettenpackung und den Gewerkschaftsaufkleber. Einige Sekunden lang betrachtet Albert das rote Stück Papier, auf dem oben in Gelb „CGT“ und darunter etwas kleiner „Taxi Parisien“ steht, in seiner Hand. Mit einer ruckartigen Bewegung, so als ärgere es ihn fast, gezögert zu haben, trennt Albert schließlich den klebenden Teil vom Papier und drückt ihn beherzt auf den Oberarmärmel seines weißen T-Shirts.
Um sich einen besseren Überblick zu verschaffen, bahnt er sich anschließend einen Weg durch die Autos Richtung Zentrum, das, von einem etwa ein Meter hohen Metallzaun umgeben, aus einer grünen Fläche sowie einem kleinen Springbrunnen in der Mitte besteht. Heute befanden sich noch eine Vielzahl kleiner Stände sowie eine größere Bühne auf der Fläche. Aufgrund der Sonnenstrahlen ist Albert gezwungen seine Augen zusammenzukneifen, doch die von ihnen wahrgenommenen Bilder beeindrucken ihn deshalb kaum weniger. An den verschiedensten Stellen um den Platz herum stehen kleine Last- und Lieferwagen, aus denen Fahnen, Plakate oder Tröten verteilt werden. Vor anderen wurden Tische aufgestellt, an denen Menschen in roten Jacken eifrig Brötchen beschmierten. Und wieder andere glichen einer mobilen Bar, aus der großzügig Pernot, Calvados und andere Spirituosen in Plastikbechern gereicht werden. Alberts Augen finden in all dem Trubel stets etwas Neues, dass seine Aufmerksamkeit erregt. So steht auf den meisten Fahnen nicht nur der Name der Gewerkschaft, sondern auch der Betrieb oder die Region, woher der Träger stammt. Marseille, Bordeaux, Clermont-Ferrand – scheinbar aus allen Teilen Frankreichs sind die Arbeiter heute nach Paris gekommen, auf den kleinen Place d’Italie im 13. Arrondissement. Albert wirft einen kurzen Blick auf seinen Oberarm und lächelt zufrieden beim Anblick des roten Aufklebers.
Bisher konnte er aus der Unmenge akustischer Eindrücke keinen speziellen heraushören, es klang für ihn vielmehr wie ungleichmäßiges, lautes Gewimmel. Nun aber meint Albert deutlich die markanten Klänge von Reggae-Musik zu vernehmen und einer kurzer Blick nach links bestätigt seine Vermutung auch. In einer Lücke zwischen zwei Autos ist leicht erhöht ein DJ-Pult zu sehen, hinter dem zwei Männer unter heftigen Tanzbewegungen an Reglern drehen. Unwillkürlich fangen auch Alberts Beine an, sich zu dem Rhythmus zu bewegen. In seinen Zwanzigern hatte er Reggae geliebt und während sein Körper sich immer mehr den bekannten Klängen hingibt, ist sein Geist etwas getrübt bei dem Gedanken daran, wie lange er sie schon nicht mehr gehört hat. Dann ebben die Bewegungen langsam wieder ab. Etwas fehlt, wenn die Musik nicht auch den Geist zu erreichen vermag. Gerade als Albert seinen Weg fortsetzen will, hört er schräg hinter sich jemanden seinen Namen rufen. Kaum, dass sein Kopf sich gedreht hat, war Louise auch schon da, um ihn mit breitem Lächeln zu umarmen. Mit ihrem roten Stirnband sah sie noch kämpferischer aus als sonst, fand Albert. Louise fiel sofort sein Aufkleber auf dem Oberarm auf.
 „Du bist schneller einer von uns geworden, als ich dachte.“
„Naja, wenn ich schon mal hier bin.“ Albert lacht schelmisch.
„Aber wolltest du nicht die rote Fahne schwingen, wenn du doch kommst?“
Er spürt ihren prüfenden, aber nicht sehr ernsten Blick auf sich gerichtet. „Es ist wohl alles etwas anders gekommen, als erwartet.“
Daraufhin erzählt er ihr seine Erlebnisse. Bei dem Punkt angekommen, wo die beiden Unternehmer ihn verdutzt fragten, ob sie denn schon am Ziel seien und er innerhalb von Sekunden eine Erklärung finden musste, kann Albert ein Gefühl des Stolzes nur schwer verbergen. Louise hört gebannt zu, kann sie doch kaum glauben, was ihr sonst so besonnener Kollege da gerade erzählt. Am Ende fragt Albert sie, wo denn all die anderen Taxifahrer sind und ob sie nicht hingehen könnten.
„Das können wir nachher machen, erstmal stell ich dir ein paar Freunde vor.“ Louise deutet mit ihrem Finger auf einen Punkt, wo Albert nichts Bestimmtes zu erkennen vermag. Er folgt einfach ihren flinken, selbstbewussten Schritten.
Nach kurzer Zeit erreichen sie eine mahagonifarbene Parkbank, welche ein Halbkreis von Menschen umgibt. Sie tragen die Albert schon gut bekannten roten Westen, deren Aufschrift zufolge sie bei Air France arbeiten. Da sie sich gerade angeregt unterhalten, bemerken sie kaum, dass er und Louise sich in den Halbkreis gestellt haben.
„Und was ist dann passiert?“, fragt soeben eine dicht neben Albert stehende Frau.
„Tja, die Polizisten haben uns allerhand Sachen gefragt, ob wir dabei waren, ob wir wüssten, wer die Rädelsführer fahren und all sowas. Haben wir natürlich alles bestritten, harmlose Arbeiter sind wir, hab‘ ich denen gesagt.“, ist die Antwort eines schlacksigen Mannes mit intelligentem Gesicht. Einige der Zuhörer fangen an zu schmunzeln.
„Die Sache war bloß“, fährt der Erzähler fort, „dass da immer noch die ganzen Bilder auf dem Tisch lagen, wie der Plissonnier in seinen völlig zerfetzten Klamotten über den Zaun klettern will. Nur sein Schlips war heilgeblieben. Da konnt‘ ich nicht mehr und hab laut losgelacht.“ Seine Zuhörer fallen ebenfalls in ein herzhaftes Lachen, selbst Albert, der gar nicht weiß, worum es geht, wird davon angesteckt.
„Ihr hättet die Gesichter der Bullen sehen sollen. Ich dachte der eine fängt gleich selbst an zu lachen!“, fügt der lange Arbeiter noch hinzu, nachdem er sich wieder etwas gefangen hat.
Albert stößt Louise leicht in die Seite und fragt, mit dem Gesicht von der Gruppe abgewandt, was es mit der Geschichte auf sich hatte.
„Hast du nicht davon gehört? Letztes Jahr haben sich die hohen Tiere von Air France getroffen, um die Vernichtung von fast 3000 Arbeitsplätzen zu beschließen. Da haben André hier und ein paar Hundert weitere kurzerhand die Konzernzentrale gestürmt und zwei von den feinen Herren mal deutlich gemacht, was sie davon halten.“
„In dem sie ihnen die Sachen zerreißen?“, lag es Albert auf der Zunge, doch er sprach es nicht laut aus. Er wusste nicht, was er von dem Gehörten halten sollte. Irgendwie wirkte es roh, befremdlich, falsch. Aber etwas in ihm sagte auch, dass die Arbeiter ein Recht hatten, sich zu wehren und freute sich bei dem Gedanken an einen Manager in zerfetzten Klamotten. Sollen sie doch spüren, was sie da anrichten, sagte diese Stimme. Er musste an die beiden Männer von seiner Taxifahrt am Morgen denken. Wie sie über die Existenz von Arbeitern geredet haben, als wäre das Ganze ein Spiel. Wenn diese beiden…sein Gedankengang wird unterbrochen, als jemand in der Runde Louise fragt, wen sie denn mitgebracht habe. Sie stellt Albert jedem einzelnen der Reihe nach vor, acht kräftige Händedrücke.
„Louise hat uns erzählt, dass du heut‘ morgen noch gearbeitet hast?“, fragt kurz darauf der auf der Bank sitzende André. Ein anderer, dessen Name Albert schon wieder vergessen hat, reicht ihm, noch ehe dieser etwas sagen kann, einen weißen Plastikbecher mit Rotwein und ein kleines Baguette. Albert nimmt beides dankend entgegen und erzählt seine Geschichte, zu Anfang noch etwas nervös, aber mit der Zeit immer selbstbewusster werdend. Am Ende angekommen, nimmt er einen großen Schluck des dunkelroten Weines. Seinen Zuhörern hat die Geschichte augenscheinlich gefallen. Jemand klopft ihm auf die Schulter, ein anderer hebt leicht theatralisch seinen Plastikbecher auf Alberts mutige Aktion sowie darauf, dass die beiden vorzeitig Entlassenen noch einen langen und beschwerlichen Weg gehabt haben mögen, wie er mit lauten Lachen hinzufügt. Alle anderen schließen sich schnell an und unter beträchtlichem Weinverlust stoßen die Becher knisternd zusammen.
Es vergeht einige Zeit, während der sich Albert angeregt mit einer Pilotin unterhält und sein Weinbecher sich wie von Zauberhand stets von Neuem füllt. Als das Gespräch gerade pausiert, zieht ihn Louise am Ellbogen beiseite und deutet mit dem Kopf auf eine etwa zehn Meter entfernte Treppe. Dort angekommen, setzen sie sich auf den weißen Stein.
„Was sagt Emanuelle dazu, dass du hier bist?“
Albert ist überrascht den Namen seiner Frau zu hören, hatte er ihn ihr gegenüber doch nur selten erwähnt. Er überlegt, etwas zu sagen. Sein Blick fällt auf den Inhalt seines Bechers. Einige Sekunden verstreichen, dann führt er das Gefäß an seine Lippen.
„Du hast es ihr noch nicht gesagt?“
„Ich wollte ja, das Handy war schon in meiner Hand“, antwortet Albert diesmal ohne merkliche Pause, „aber ich…ich wusste nicht, ob sie es verstehen würde.“
„Denkst du nicht, dass sie das tun würde?“
Gerade als der Geschmack des Weines sich auf Alberts Lippen verflüchtigt, nimmt er einen weiteren Schluck. „Weißt du, bevor ich diese beiden Idioten auf die Straße gesetzt habe, gingen mir immer wieder Bilder von Emanuelle und den Kindern durch den Kopf. Später habe ich darüber nachgedacht, aber mir wurde einfach nicht klar, was das zu bedeuten hatte. Was war es, dass mich zu der Entscheidung bewog? Als ich dann vorhin hier ankam und das Bild von ihnen in meinem Auto betrachtete, ist es mir klargeworden.“ Er macht eine Pause, in der sein Blick wieder etwas Starres bekommt.
Louise bemerkt seine Aufgewühltheit und lässt ein bisschen Zeit verstreichen. „Und?“, fragt sie schließlich mit fester Stimme.
„Ich habe mich gegen sie entschieden.“ Wieder ein Schluck Wein. „Eine Weile habe ich es verdrängt, wahrscheinlich wegen der Aufregung, aber nun kann ich mich deutlich erinnern. Ich weiß, wie ich mir sagte, dass dies meine Sache ist, dass…dass sie nicht alles in meinem Leben sind.“ Ruhig und klar verlassen die Worte seinen Mund. „Versteh mich nicht falsch, ich liebe sie und bin mir meiner Verantwortung absolut bewusst. Aber so häufig war ich in genau einer solchen Situation. Ich stand vor einer Entscheidung und habe an meine Familie gedacht. Und immer habe ich mich für sie entschieden; all die Jahre.“ Die letzten Worte haben einen anderen, fast traurigen Ton. Nach kurzer Pause fährt er mit gefasster Stimme fort. „Vielleicht mach ich die Sache größer als sie ist, aber…aber es hat sich irgendwie befreiend angefühlt, diese Stimme in mir, diesen Drang nicht zu unterdrücken. Seit so vielen Jahren mal nicht als Vater oder als Ehemann gehandelt zu haben, sondern…“. Alberts Lippen öffnen und schließen sich einige Male, ohne das ein Wort sie verlässt. Dann atmet er deutlich hörbar aus. „…sondern als ich selbst. Und dabei weiß ich nicht einmal genau, wer das überhaupt ist.“ Er leert seinen Becher. „Vielleicht denke ich da schon morgen wieder anders drüber, aber in diesem Augenblick bin ich absolut überzeugt davon, dass sich etwas ändern muss, dass es nicht einfach weitergehen kann wie bisher.“ Nach einer kurzen Pause fügt Albert, die Stirn in tiefen Falten, hinzu: „Bisher war Emanuelle nie ein Fan von Veränderungen.“
Louise hatte ruhig zugehört. Ab und zu nickte sie mit dem Kopf, ansonsten lagen ihre Augen auf denen Alberts. Sie glaubte zu wissen, was in ihm vorging. Auch sie hatte einmal gedacht Beziehung, Familie, Kinder – das wäre, worum es am Ende geht, was dem Ganzen einen Sinn gibt. Es hatte lange gedauert und tiefer Krisen bedurft, bis ihr die simple Erkenntnis bewusst wurde, dass sie ein eigenes Ziel, eine echte Aufgabe im Leben brauchte. Wie schwer es ist, die Umsetzung dieser Erkenntnis mit dem alten Leben zu verbinden, das weiß sie inzwischen auch. Aber was soll sie Albert sagen? Im Moment fallen ihr die richtigen Worte nicht ein.
Nachdem die beiden noch eine Weile schweigend auf der Treppe saßen, kommt plötzlich die Pilotin, mit der sich Albert kurz zuvor unterhalten hatte, auf sie zu: „Wir wollen langsam losgehen, kommt ihr mit?“
Louise wendet sich an ihren aufstehenden Kollegen: „Geh du ruhig schon mit, ich habe noch ein paar Gewerksschaftssachen zu erledigen. Ich stoße dann später zu euch.“ Nach kurzer Überlegung ist Albert einverstanden. Bevor er weggeht, zieht ihn Louise nochmal leicht beiseite: „Wir reden heut Abend weiter. Genieß erstmal deine erste Demo.“
Auf dem Weg zurück zur Gruppe fragt Albert die Pilotin, ob die Demonstration nicht schon vor zwei Stunden begonnen habe. „Das hat sie, aber es können ja nicht alle gleichzeitig loslaufen. Der Demonstrationszug zieht sich bestimmt schon über Kilometer“, lautet ihre Antwort.
„Du willst damit sagen, mehrere Kilometer lang ist die Straße voll mit Menschen?“, fragt daraufhin der sichtlich überraschte Albert.
„Ja sicher, es sind doch Hunderttausende heute hier. Auf die Arbeiter Frankreichs ist Verlass.“ Sie lacht verschmitzt.
Rund um die braune Parkbank herrscht bereits Aufbruchstimmung, als die beiden ankommen. Calvados, der berühmt-berüchtigte Apfelschnaps aus der Normandie, hat inzwischen Rotwein als Getränk der Wahl abgelöst. Schnell hat auch Albert wieder einen großzügig eingegossenen Becher in der Hand. Die Stimmung in der Runde ist ausgelassen und es dauert nicht lange, bis die sorgenvollen Gedanken vom Gespräch auf der Steintreppe verflogen sind.
Der kleine Trupp setzt sich langsam in Bewegung. Bereits nach kurzer Zeit ist eine Abgrenzung der Gruppe kaum mehr möglich, da sich die Air France – Arbeiter ununterbrochen mit den um sie Herumlaufenden unterhalten. Albert kommt es so vor, als würden sie sozusagen in der Menge aufgehen, Teil einer größeren Gruppe werden. Auch er hat keinerlei Hemmungen ihm völlig fremde Menschen anzusprechen, sie zu fragen, was eine bestimmte Fahne bedeutet, wo sie herkommen oder warum sie heute hier sind. Fast jedes Mal wollen seine Gesprächspartner auch wissen, was Alberts Hintergrund ist. Normalerweise ist er nicht sehr erpicht darauf, seinen Beruf zu nennen und wenn jemand fragt, versucht er es immer so zu sagen, als wäre es eben ein Job, etwas, dass alle machen müssten. Doch hier war das anders. Zu seiner eigenen Überraschung verspürt Albert in den Unterhaltungen mit den anderen Demonstranten fast ein wenig Stolz, wenn er über seine Arbeit spricht. Unter seinen Gesprächspartnern war eine Busfahrerin, ein Krankenpfleger, eine Lehrerin oder der Wachmann eines Lagerhauses und fast alle mochten sie ihren Beruf, nur die Bedingungen, unter den sie ihn ausüben, nicht. Genauer betrachtet fand Albert, dass es ihm eigentlich ähnlich ging. Und um nichts in der Welt hätte er in den Gesprächen sagen wollen, er sei Unternehmer, Manager oder Wirtschaftsberater. Nein, er war Taxifahrer.
Wenn er sich nicht gerade unterhält, blickt Albert fasziniert auf all die Menschen um ihn herum. „Hunderttausende“ hallt es immer noch in seinem Kopf. Er hatte zwar schon vorher gesehen, dass sehr viele Menschen da waren, aber es war so, als hätten die Worte der Pilotin ihn erst das wirkliche Ausmaß bewusst werden lassen. Zu gerne wäre er jetzt auf einem der Balkone oder Dachterrassen der umliegenden Häuser, um den Menschenstrom von oben zu sehen. Hunderttausende – vereint auf der Straße, um für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen. Der Gedanke ließ Albert nicht los. Trotz Louises Anstrengungen hatten sie bei ihm auf Arbeit kaum was zu sagen. Und dann wollen die meisten Kollegen auch nur ihr eigenes Ding durchziehen. Aber hier, all die Menschen, das ist doch eine Kraft – denkt sich Albert – eine Kraft, mit der man was erreichen kann. Ihm fallen all die Momente ein, in denen sein Chef ihn völlig grundlos zusammengestaucht hat. „Guckt dir das an. Wir sind Hunderttausende!“, hätte er ihm am liebsten zugerufen. Albert trinkt den Rest seines Calvados und wirft den Becher in die nächste Mülltonne. Die Air France – Arbeiter kann er inzwischen nicht mehr sehen; sie laufen wahrscheinlich etwas weiter vorne, denkt sich Albert.
Plötzlich klingelt sein Handy. Ein Blick auf das Display zeigt ihm, dass es sein Chef ist. Er hält kurz inne. Sein erster Gedanke war, einfach nicht ranzugehen, aber nun findet Albert Gefallen an der Vorstellung, seinem Chef mal Paroli zu bieten, einer Konfrontation nicht auszuweichen. Er drückt auf den grünen Hörer und führt das Handy zum Ohr.
Es ist kein langes Gespräch. Einige Male versucht Albert, etwas zu sagen, doch nie kommt er über das zweite Wort hinaus. Wie das Trommelfeuer eines Maschinengewehrs rattert die Stimme seines Chefs in seinem Ohr. Wort auf Wort, Satz auf Satz. Wenn er kurze Pausen einlegt, dann nur, um in den Genuss zu kommen, Alberts bemitleidenswerte Versuche, an dem Gespräch teilzunehmen, lautstark zu zerstören. Was den Inhalt angeht, reichen Albert einige Fetzen, um die Lage zu verstehen: „Wichtige Geschäftspartner…Deal geplatzt…viel Geld verloren…Wahnsinn, Idiotie…nie wieder fahren…gefeuert, gefeuert, gefeuert“. Albert sucht nach einer Rechtfertigung, will auf den Kündigungsschutz verweisen: „Ja, aber ich habe doch…“. Es sind mehr als zwei Worte – sein Chef hatte aufgelegt. „Gefeuert“ war sein letztes Wort. „Gefeuert, gefeuert“ hallt es nun wie eine steckengebliebene Tonspur in Alberts Kopf. Geschrien, aber trotzdem eher mit höhnischer als wütender Stimme. Alberts Lippen bewegen sich, so als wolle er antworten. Doch sie bleiben stumm. Langsam senkt sich sein Arm.
Regungslos steht er auf der Straße. Seine Umgebung nimmt er nur verschwommen wahr. Es sind Schatten, die um ihm herumhuschen. „Gefeuert“, ist sein einziger Gedanke. Minuten verstreichen. Dann wird sein Verstand plötzlich klar, als wäre sein Kopf in einen eiskalten Fluss getaucht worden. Er atmet schnell und heftig. Wut durchströmt seinen Körper. Er möchte schreien, doch seine Lippen bleiben stumm. Immer fester umklammert seine Hand das Handy. Er sieht die Menschen um ihn herum, aber schaut sie nicht direkt an. Es ist eine stille Masse. „Hunderttausende“, schießt es durch sein Gehirn. Dann erscheint verzerrt immer wieder ein Bild vor seinem inneren Auge; ein Loch in der Mitte einer Glasscheibe und tausend kleine Risse, die es in alle Richtungen verlassen. „Gefeuert“, hört er erneut die Stimme seines Chefs. Das Wort hat inzwischen fast einen sadistischen Klang. Dann wieder das „Hunderttausende“. Mit unverminderter Geschwindigkeit pumpt er Luft in seine Lungen. Immer noch steht er bewegungslos da. Dann geht alles ganz schnell.
Sein Blick fällt auf einen frei liegenden Pflasterstein direkt vor ihm. Anschließend auf eine etwa fünf Meter entfernte Bankfiliale. Es ist nicht seine Bank. Innen ist sie vollkommen leer. In der einen Hand hält Albert weiterhin sein Handy, mit der anderen greift er ruckartig nach dem Pflasterstein. Wenige Sekunden später ist ein lautes Krachen zu hören. Einige Menschen haben erschreckt aufgeschrien, doch das nimmt Albert nicht wahr. Seine Hand greift nach einem zweiten Stein und er holt erneut weit aus. Diesmal spürt er das Gewicht an seinem Arm ziehen; die kantigen Ecken in seine Handfläche drücken; die kleinen Kieselsteine, die noch an dem Pflasterstein dranheften. Seine Augen sind auf das Loch im Glas der Bankfiliale gerichtet. Er spürt die Blicke unzähliger Menschen auf sich gerichtet. Er hört wieder das Wort „Hunderttausende“ in seinem Kopf. Doch es löst eine andere Emotion bei ihm aus, so als hätte es nun eine völlig andere Bedeutung. Sein Blick senkt sich zu Boden. Der Griff um den Pflasterstein lockert sich, der Druck der Kanten verschwindet mehr und mehr. Aber kurz bevor der schwere Stein zu Boden fällt, packt ihn jemand am Unterarm. Seine Hand öffnet sich. Innerhalb weniger Sekunden liegt Alberts Kopf neben dem Pflasterstein auf dem Asphalt. Sein Körper dreht und windet sich, doch immer mehr Hände fixieren ihn am Boden. Er will etwas sagen, doch die Worte bleiben ihm im Hals stecken. Eine Hand auf seinem Hinterkopf drückt seine rechte Wange auf den Asphalt, wodurch sich unzählige kleine Steinchen in die durch nur wenige Bartstoppeln geschützte Haut bohren. Es brennt so stark, dass es Albert nicht möglich ist, einen klaren Gedanken zu fassen. Sein Körper leistet Widerstand, doch Albert nimmt das kaum wahr; es geschieht einfach. Dann spürt er den spitzen Druck eines Knies zwischen den Schulterblättern, seine Lunge wird zusammengepresst und macht das Atmen noch schwerer. Das schnelle Einsaugen der Luft erzeugt ein pfeifendes Geräusch. Qualvolle Sekunden vergehen. Erst als das Adrenalin langsam seinen Körper verlässt und seine Muskeln erschlaffen, bekommt er wieder genug Luft. Wie aus unbeschreiblicher Ferne kommend, hört Albert das Klicken der Handschellen. Der Druck auf Hinterkopf und Rücken verringert sich. Durch glasige Augen sieht Albert den Stein, der gerade noch in seiner Hand lag, dicht vor sich liegen. Sein bis eben grässlich verzerrtes Gesicht wird plötzlich starr, fast apathisch. Kaum hörbar verlassen Worte seinen Mund: „Aber man kann doch Hunderttausende nicht feuern.“
Während Albert unter unzähligen Blicken von den Zivilpolizisten abgeführt wird, vibriert dicht neben dem Bordstein ein im Kies liegendes Handy. Auf dem Display, hinter einem großen, weißen Hörer, der regelmäßig Wellen in alle Richtungen aussendet, sieht man das Bild einer lachenden Frau. Sie sieht glücklich aus. Nach kurzer Zeit verschwindet das Bild und wieder einige Sekunden später wird das Display schwarz.

Von Daniel Polzin, 14.August’16


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2 Gedanken zu “Ein Dienstag in Paris

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