Vom wütenden Sturm Russlands

Verehrte Leute
Sie gestatten
ich bin es
der frische Wind
befind mich heute
umringt von Platten-
Bauten die
mir bekannt sind

Alle Fünfzig
eines Jahrhunderts
wiederkehre
ich bedacht
doch heute wüt’ ich
denn mich verwundert’s
die ich verehrte
ist umgebracht

Sah noch von weitem
an alter Stelle
ihr Wahrzeichen
am Gorki Park
auch aus alten Zeiten
von allen der Hellste
musste nicht weichen
aufgebahrt 

Ich aber hörte
an Massengräbern
das ewige Feuer
der Antifaschisten
wie es beschwörte
den Blumenlegern
sind Blumen teuer
trotz Arbeit
die sie verrichten

Da wog ich arg
das ist nicht möglich
ein jedem galt
sowas ermöglicht
die ich einst sah
sie schien mir fröhlich
wurde nicht alt
und starb genötigt

Ich blieb den Tag
und forschte weiter
bei Windesstille
und leisem Regen
da vor mir lag
ein stumpfer zweiter
Sinn im Willen
einstigen Bestreben

Nur Dekoration
die Sichel, der Hammer
nur konserviert
nur Schrott
Denn vom Thron
welch ein Jammer
gilt wem verliert
heut bloß der Spott

Vor hundert Jahren
ich war dabei
herrschende Köpfe
fuhren Lokomotive
denn sie sahen
die Zeit vorbei
der ausbeuterischen
Umtriebe

Jetzt fährt jeder
der obren Klasse
der Oligarchen
Limousine
jetzt zählt weder
der Wille der Massen
noch freundlich Lachen
jetzt zählen Rubine

Da, seht
die Limo hält an
ein Reicher steigt aus
und lädt
denn da steht
ein Sprayer am Rand
schreibt Reiche raus
und so weiter
Ihr versteht

Des Sprayers Not
des Bonzen Pracht
der eine gaffend
der andere Protzig
der frühe Tod
gebührt der Macht
man stirbt hier schaffend
knapp über sechzig

Ein alter Streit
der uns umtreibt
wir zahlen mit Qualen
für unsern Lohn
der Reiche schreit
das geht zu weit
der Sprayer fahl
du Hurensohn

Jetzt ist Schluss
ruft der Bonze
und lädt erneut
seine Patronen
ein schneller Schuss,
weil er’s konnte
das Geld bezeugt’s
durch Korruption

Sie verstehen
liebe Leute
wenn ich wütend
solches sehend
den Wind drehe
schon ab heute
wohlbehütend
das Emblem

Drum reiß ich’s nieder
mit allen Schildern
der Straßen
und Haltestellen
die sich anbiedern
etwas zu sein
doch längst vergaßen
und alles entstellen

Das war mein Auftakt
es tut mir Leid
das alte Emblem
war so nur Hohl
der gleiche Auftrag
eine neue Zeit
und meinetwegen
ein neues Symbol

So tobte dann
der frische Wind
und nahm’s Emblem
als er verging
doch dieser Gang
durch Liebe blind
schuf das Problem
vom völligen
Neubeginn

2018-11-11 19.22.52

Gedicht und Fotografie von Andrej Bill, 11. Nov. ’18

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s