Ganz gleich und doch anders

Vor nicht allzu langer Zeit gab es in den Weltmeeren zwei merkwürdige Inseln, die sich in ihrer Beschaffenheit sehr ähnelten. Durch ähnliche Klimabedingungen wuchsen dieselben Pflanzen und wilderten dieselben Tiere, welche gleichermaßen die Lebensgrundlage für zwei gar nicht so verschiedene Völker bildeten. Da die Menschen über ähnliche technische Mittel verfügten, bauten sie aus gleichem Holz gleiche Häuser. Und auch optisch waren sie sich beinahe identisch, aber obwohl sie sich die ungeheuerlichsten Dinge ausmalten, die auf dem gegenüberliegenden Eiland existieren könnten, erwogen sie nicht, dass es sich – zumindest rein optisch – um ihresgleichen handeln könnte. Umso erstaunlicher war es, wie sehr sich die jeweiligen Bewohner, die nur wenige Kilometer Wasser trennte, im Geiste unterschieden, denn abgesehen von dem unergründlichen Irrglauben, dass eine Überfahrt zu dem verlockend aussehenden Gegenüber per Schiff aufgrund eines unbarmherzigen Stroms unmöglich sei, war ihre Lebensweise grundlegend anders.

Auf Litramono herrschte ein Autokrat. Niemand konnte ihm etwas vorschreiben. Er übte die vollkommene Herrschaftsgewalt aus und besaß vollkommene, uneingeschränkte Macht über die Litramonisten. Das Oberhaupt legitimierte sich seit Jahrhunderten nur durch „weise Voraussicht“, wie man sich im Volk erzählte. Der oder die Erstgeborene bekam den alleinigen Herrschaftsanspruch und wurden ab dem ersten gesprochenen Wort mit sich steigernden Ansprüchen auf die Staatsangelegenheiten vorbereitet. Natürlich waren nicht alle dafür geeignet. Diejenigen, die aus körperlichen oder geistigen Gründen nicht in der Lage waren, die Ausbildung abzuschließen, traten ihren Anspruch restlos und unwiderruflich an die Nachgeborenen ab. In der Vorzeit soll es angeblich ein Mal vorgekommen sein, dass kein Thronfolger die Fähigkeiten besaß, um das rechtmäßige Erbe anzutreten, weshalb kurzerhand der versierteste Hauslehrer der Königsfamilie zum neuen Herrscher ernannt und die Macht offiziell auf seine Nachkommen übertragen wurde. Man vermutet, dass dieser Lehrer die verschiedenen Räte gründete, die ihm bei schwierigen Regierungsfragen helfen sollten. Ihn plagte Ehrfurcht und er hoffte, so seine Unsicherheit zu kaschieren, da er schließlich keineswegs königlichen Blutes war und dieses ehrte. Der aufgrund seines hohen Alters scheidende König gab dem Wunsch unter der Bedingung statt, dass keinerlei Herrschaftsgewalt auf seine vertrauten Ratsmitglieder übergehen würde und diese lediglich Ratschläge erteilen könnten. Von den Räten existierten stets so viele, wie es Professionen auf der Insel gab. Aus diesen bildete sich also ein Kreis von engsten Vertrauten, die sich durch hervorragende Gedanken und Innovationen aus den professionalisierten Räten hervorhoben. Jedoch waren ihre Worte nur Ratschläge, keine Befehle oder Kommandos. Sie hatten politisch keinerlei Gewicht. Schließlich war der Herrscher ja Alleinherrscher. Allerdings sind es genau diese Männer und Frauen der Räte gewesen, die folglich den nächsten Erstgeborenen in allen theoretischen Geschäften ausbildeten und durch weise Worte die individuellen Bedürfnisse der verschiedenen Arbeitergruppen nahebrachten. Nicht nur das, sondern sie nahmen die Königskinder, die quasi als besitzlose Nomaden aufwuchsen, wechselweise in ihren familiären Kreis auf, sodass sie einerseits von eventuell entstehender Herrschsucht ihrer Vorgänger geschützt blieben und gleichzeitig tiefe Einblicke in Lebensweise und Inhalt der verschiedenen Berufsgruppen erlangten. So geschah es auch mit dem aktuellen Herrscher. Und wie es der Brauch verlangte, lebten seine biologischen Eltern, wie ihre Vorgänger auch, nach ihrem Abtreten ebenso unter den normalen Bürgern in vollkommener Ausgeglichenheit. Diese kam dadurch zustande, dass sämtliche Professionen ihre Erträge an das Oberhaupt abtreten mussten, die nun zu gleichen Anteilen an das Volk verteilt und von diesem verarbeitet oder verbraucht wurden. Den Herrschern hingegen wurden die größten und prunkvollsten Waren zugesprochen, die jedoch auf ewig im Palast bleiben mussten und dort auch blieben, wenn er einst scheiden wird. Grund dafür war pure Ehrerbietung. Es freute die Litramonisten, ausgefallene Dinge von besonderer Schönheit zu produzieren, da es seine grundlegende Existenz als gesichert ansah und sich keineswegs sorgte. Dies war eben die Aufgabe des Oberhauptes und sie würde sein Leben nach der Regentschaft bestimmen, da er – je nach den Fähigkeiten seines Nachfolgers früh oder spät – zum Volke zurückkehren würde und dort entweder mit offenen Armen oder einem zugewandten Rücken empfangen wurde. So stellte das Volk die Existenz des Herrschenden nach seiner Amtszeit sicher, nachdem er während seiner Zeit im Elfenbeinturm durch weise Entscheidung und gerechte Verteilung des Gesamtbesitzes die Existenz seiner Gefolgschaft gewährleistete

Auf Lapolysa hingegen wählte das Volk selbst und diente nicht nur. Hier gab es keinen Alleinherrscher, niemanden, der sämtliche Gesetze vorschrieb und Entscheidungen traf. Es gab keine durch Blut und Ausbildung legitimierte Herrschaftsfolge, sondern das Volk entschied gemeinsam in Wahlen, wer sie vertreten solle. So bestand für jeden Bürger zumindest in der Theorie die absolut gleiche Chance, gewählt zu werden und an die Macht zu kommen. Kein Lapolysier traute sich jedoch, offen die Macht an sich zu reißen – sei es aus Angst oder Kalkül. Aber eine Chance zur Machtsicherung gab es und diese wurde von denjenigen Familien ergriffen, die am nächsten an den essenziellen Rohstoffquellen siedelten. Durch ihre wirtschaftliche Relevanz und besonders durch sich anhäufenden Feilschereien und Schwindeleien war es ihnen nun gegönnt, wichtige Entscheidungen zu treffen und mit anderen ebenso günstig gelegenen Familien über das Geschehen auf der Insel zu richten. Und durch die Anhäufung von Reichtümern durch Handelsbedingungen, die nicht an der Arbeitszeit, sondern am Seltenheitswert der Ware gemessen wurde, sicherten sich die glücklich-gesiedelten Familien, die unter dem Deckmantel des Handels versteckte Vorherrschaft. Es schien, als sei dem Volk die Idee des Gemeinwohls abhandengekommen. Von den Gesetzen her, die nebenbei in der Hauptsache von eben diesen Familien erarbeitet worden waren, hatte jedoch jeder Bürger das gleiche Recht, wenn es zu Abstimmungen über wichtige Angelegenheiten kam. Die Entscheidungen wurden von allen in gleichem Maße getroffen. Nicht zu Unrecht wähnten sich die Abkömmlinge der etablierten Familien sehr bekannt und sogar beliebt, denn immerhin waren sie durch den angehäuften Reichtum in der Lage, bessere Löhne zu zahlen. Das war selbstverständlich nicht nur bei einer Familie der Fall, denn es gab schließlich mehr als nur einen wichtigen Rohstoff. Und als diese wichtigen Familien abends beisammen saßen und bemerkten, wie sehr sie doch ihre Macht sichern mussten, schlossen sie sich zusammen und sorgten dafür, dass ein Gleichgewicht zwischen den Ihrigen herrschte, während ihre Ressourcen dafür sorgten, dass sie es waren, die für die Lapolysier relevant blieben. Ihre Söhne und Töchter badeten schon seit der Geburt in überschwänglichem Reichtum, während es zum Beispiel den frugalen Künstlern, deren Produkte für das Volk belanglos waren, zur gesamten Lebenszeit kaum möglich war. So blieben die Künstlerhütten immer gleich groß, während die der Minenbesitzer in die Höhe schossen.

Trotz dieser organisatorischen Unterschiede war der Fortschritt auf beiden Inseln gleichermaßen schnell. Neue Erfindungen machten das Leben leichter. Auf beiden Seiten gediehen die Felder gleich gut und die Kleider entsprachen einander in ihrer Robustheit und Langlebigkeit. Es wäre trotz aller geistigen Unterschiede wohl schwer gewesen, einen treffenden Unterschied im Grade der Glückseligkeit herauszuarbeiten. Die beiden Völker waren also in ihrer Subjektivität gleichermaßen zufrieden, aber als fast zeitgleich die Kunst des Brückenbaus entdeckt, erprobt und durch lokal ausgeführte Bauprojekte perfektioniert wurde, erwuchs auf beiden Inseln die Idee, eine Brücke zum Zwilling gegenüber zu errichten. Und nun fingen die für lange Zeit unbedeutend gebliebenen Unterschiede an, sich zu offenbaren. Auf Lapolysa hatten sich beispielsweise diejenigen Bewohner, die vor Generationen an Goldminen gesiedelt hatten, große Furcht davor, Teile des seltenen Rohstoffes abtreten zu müssen. Oder besser gesagt: Sie fürchteten sich davor, weniger für sich selbst zu haben. Ihnen wurde jedoch schnell klar, dass die Menschen wohl neugierig sein werden und dass ihr seltenes Gold keine Notwendigkeit war, auch wenn das Volk seinen Wert nur aufgrund seiner Seltenheit als immens erachtete. Nun gab es in der Tat Menschen, wie die besitzlosen Künstler, die sich neue spannende Einblicke und Erkenntnisse für ihre Geschichten und Bilder erhofften und sich nach neuer Inspiration nur so verzehrten. Das erkannten die Goldgräber schnell und sie begannen, einen Plan herauszuarbeiten. Sie gingen zur benachbarten Eisenmine und fingen auf leisen Sohlen an, den Verantwortlichen dort dieselbe Furcht einzupflanzen, die sie empfanden; verwiesen auf bereits bekannte Knappheit, darauf, dass man doch sonst nichts könne und vollkommen angewiesen sei auf ein geregeltes Einkommen. All dies fußte auf der vorher bereits entstandenen Angst vor dem großen Ungewissen auf der anderen Seite, das durch immer wildere Rätseleien bereits ins Absurde mündete. Ihr Geflüster fiel auf fruchtbaren Boden. Furcht gedieh und breitete sich aus wie Schlingpflanzen. Bald schon alarmierten die Leute aus der Eisenmine ihren Schmied und sagten ihm, dass er wohl keine Arbeit mehr finden würde, wenn sie ihm im Falle einer Übernahme kein Eisen mehr liefern könnten. Und da der Schmied mit seinem riesigen Betrieb enorm viel Holz verbrauchte, ging er zu den Holzfällern und fragte sie, was sie davon halten würden, wenn eine ihrer größten Einnahmequellen wegbrechen würde, da es nichts mehr zu schmieden gäbe. Die Holzfäller wiederum gingen zu den Architekten und Bauarbeitern, zu denen sie selbstverständlich beste Kontakte hielten, und trugen die Bedenken weiter, welche sich nun von dieser kleinen Gruppe ausgehend schon fast auf die gesamte Bevölkerung ausgebreitet hatten. Als es dann nach einigen Wochen der Debatte zur Abstimmung kam, versammelten sich die Leute restlos auf dem riesigen Marktplatz. In der Mitte des Platzes wurde wie immer eine Linie gezogen. Auf der rechten Seite sollten sich nun jene versammeln, die für einen Brückenbau waren – gegenüber die anderen. Nach einem Durcheinander von Geschrei und Gewühl teilte sich das Menschenmeer. Rechts versammelte sich eine kleine Gruppe ausgemergelter Künstler in schlechter Kleidung und blickten mit wachen Augen auf eine Meute von wohlbeleibten, gut betuchten Bürgern, die sich bei dem Gedanken an diese schwachsinnige Idee kopfschüttelnd und lachend auf die fetten Schenkel klopften. So war es entschieden und alles stürzte sich Hals über Kopf in die sich täglich wiederholende Routine – mit einer kleinen aber bedeutenden Abweichung, die langsam etwas ins Rollen brachte wie eine Lawine.

Aber in einigen Kilometern Entfernung entbrannte die gleiche Diskussion und auch die Goldgräber auf Litramono diskutierten in ihren Räten über die unglaubliche Knappheit des Rohstoffes, aus denen sie die herrlichsten Ornamente fertigten, die sie zur Verehrung ihres Oberhauptes für unerlässlich hielten. Dabei führten sie diese Debatte nicht minder heftig. Auch hier hing die Furcht vor dem Unbekannten in der Luft. Der Ratsführer sprach nun die Bedenken seiner Gefolgschaft gegenüber dem König aus. Während er dies tat, vertrat er durchweg aufrichtig die Interessen der Leute, die hinter ihm standen und ebenfalls gegen einen Brückenbau waren. Obwohl der Entschluss schon lange feststand – denn das Wesen des amtierenden Herrschers war von unerschöpflicher Neugierde geprägt – hörte er sich die Sorgen seines Beraters genau an. Da er seine Ausbildung in den Goldminen sehr lebhaft in Erinnerung behalten hatte und nachempfinden konnte, wie kostbar diese funkelnden Steine für den Arbeiter sind, der mit schweren Armen stundenlang tief unter der Erde schuftete, entschied er sich selbst herabzusteigen und mit den Leuten zu sprechen, die da offensichtlich anderer Meinung waren als er. Als er gerade zur Mittagspause unter der Erde ankam, erzählten die Arbeiter ihm von genau den Ängsten, die er, von seinen jugendlichen Erfahrungen darauf schließend, erwartet hatte. Jedoch ließ der Wissensdurst nicht von ihm ab und er war nicht bereit, seine Meinung zu ändern, da Gold für ihn ohnehin wenig bedeutete, außer, dass es schön anzuschauen war. Letzteres hielt er allerdings zurück, da er wusste, dass die Arbeit, welche diese Menschen in Ornamente oder andere Kunstgegenstände investierten, sie mit Sinn und Glück erfüllte. Natürlich waren die Arbeiter trotzdem von seiner mehr als eindeutigen Absage niedergeschlagen. Sie protestierten zwecklos. Als er langsamen Schrittes wieder aus dem Stollen herausging und den nachdenklichen Blick vom spärlich beleuchteten Boden aufrichtete, sah er gerade das kleine Licht am Ende des Tunnels, das er von dieser Distanz mit nur einer Handfläche verdecken konnte. In genau diesem Moment besann sich der Herrscher darauf, umzukehren, um den enttäuschten Arbeitern eine mögliche Lösung für ihren Unmut anzubieten. Wieder unten angekommen fragte er sie, ob es nicht möglich sei, den Mineneingang an dem Tag, an dem die Brücke fertiggestellt werden würde, mit Bäumen und Blättern zu tarnen, sodass Plünderer sie nicht entdecken würden. Begeistert von der Idee folgten die Minenarbeiter nun dem Autokraten ans Tageslicht, um einige Holzfäller aufzusuchen und sie wegen einer möglichen Umsetzung des Plans zu befragen. Diese hielten ihn für durchaus realistisch, fragten aber instinktiv, was im Falle eines Kampfes mit resultierender Niederlage aus ihren Sägewerken und den gelagerten Holzscheiten werden soll, denn obwohl sie nicht sehr wertvoll waren und auch nicht selten, waren sie nichtsdestotrotz überlebenswichtig. Auf den ersten Blick schien ihre Sorge berechtigt, weswegen sich der Herrscher auf einem frisch gefällten Stamm niederließ und kurz nachdachte. Es dauerte nicht lang, bis er Holzfäller und Minenarbeiter dazu aufforderte, ihm zu folgen. Sie bestiegen die nahegelegene Anhöhe nur so weit, bis sie über die Wipfel der Bäume schauen konnten und die andere Insel erblickten. Und nun sagte er ihnen, dass sie sich doch einmal die Menge der Bäume hier und die auf der anderen Insel anschauen brauchten. Ein Zimmerer, der sich angeschlossen hatte, wies seine Kameraden im direkten Anschluss darauf hin, dass ihre hölzerne Kostbarkeit doch nachwachse und kein Grund zur Sorge bestehe. Nach einer ausgiebigen Diskussion, die durch grobe Berechnungen der Wachstumsdauer von Bäumen im Verhältnis mit einer wachsenden Population bestimmt wurde, beschloss der Herrscher, dass diese Sorgen unberechtigt seien und mit seiner Stimme wurden die meisten Arbeiter überzeugt. Nun waren auf der Anhöhe, auf der sie alle diskutierten, viele Denker ansässig, die gespannt lauschten, sich jedoch anfänglich zurückhielten. In ihren Reihen hatte sich schon länger der Gedanke breitgemacht, dass man in der besten aller Welten lebe und dieser Zustand nicht gestört werden dürfe. Nachdem sich jedoch alle anwesenden Parteien geeinigt hatten, trat ein Kollektiv der Denker zu ihnen und äußerte seinen Unmut. Diese Gruppe war fest davon überzeugt, dass das Risiko zu groß sei, die Auswirkungen zu unvorhersehbar und die jetzige Ordnung eine Balance gefunden hätte, die schnell aus dem Gleichgewicht zu bringen sei. Da lachte der Herrscher zurückhaltend und sagte, dass ihre Sorgen nur auf Spekulationen begründet seien, von denen er nichts halte. Sie hätten sich so sehr auf einen Gedanken versteift, der auf keinerlei Fakten throne und somit verworfen werden sollte. Aber auch ihre weiteren Bedenken bezüglich möglicher Gewalttaten hörte er sich genau an, verwarf sie jedoch genau so schnell wie die zuerst geäußerten. Währenddessen trafen fast alle Gesandten der verschiedenen Professionen ein und bekundeten ihre Zustimmung zu dem Vorhaben ihres Herrschers. Nun galt es nur noch den Rat der Architekten und Baumeister einzuholen, die sich jedoch bereits in heller Begeisterung an ihrem Treffpunkt versammelt hatten, um mögliche Pläne zu besprechen, sodass sie ganz vergaßen, ihre Begeisterung kundzutun, obwohl sie bereits früh von den Plänen gehört hatten. Nach wenigen Minuten dort war sich der Despot absolut sicher und der Brückenbau beschlossen.

In den folgenden Tagen arbeitete das Volk mit Begeisterung und Leidenschaft an der Realisierung des neuen Projektes. Und mit jedem Meter, der fertiggestellt wurde, wuchs die Aufregung und die Freude. Die Bauarbeiter saßen abends am Feuer und malten sich aus, welch spannenden Dinge sie lernen könnten und was da wohl genau auf sie warten werde, während die Sorgen der Künstler auf der einen, der Denker auf der anderen Seite stetig wuchsen. Als sie nach über einem Jahr schon beinahe bis zur Hälfte gekommen waren, erspähten die Lapolysier den begonnenen Bau auf der Zwillingsinsel. Die Künstler dort freuten sich, dass ihr Wunsch dennoch in Erfüllung gehen würde, aber diese anfängliche Freude wandelte sich schon bald in Entsetzen und Abscheu. Schnell breitete sich, ausgehend von den unter der Hadeskappe lauernden Manipulatoren, die Angst vor einem rein spekulativen Konflikt aus. Erneut wurde abgestimmt. Und erneut zogen sie die Linie auf dem Marktplatz. Und erneut standen die Künstler dem geifernden Mob gegenüber. Diesmal handelte es sich jedoch nicht mehr um eine Brücke, über die abgestimmt wurde, sondern um die Einschmelzung überschüssigen Eisens für neue Waffen. Und als beide Parteien auf gänzlich unterschiedliche Weise ihre Ressourcen beinahe erschöpft hatten, war die lang erwartete Verbindung plötzlich hergestellt.

Von Lukas Schepers 09.Feb’17 / Titelbild illustriert von Nadja Bamberger

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