Die Unverantwortlichkeit der chilenischen Bevölkerung

12004817_326195644170907_2311048119291793768_nVor zwei Tagen jährte sich wieder mal ein geschichtsträchtiges Ereignis. Ein Ereignis, dass eine ungemein wichtige, wenn auch bittere Lehre für all jene darstellt, die an den Prinzipien des herrschenden Systems rütteln und wirkliche Veränderung zum Wohle der Bevölkerung anstreben.
Mehr als 3000 Menschen mussten sterben als am 11. September vor genau 42 Jahren der demokratisch gewählte Präsident Chiles, Salvador Allende, durch einen von der CIA initiierten Militärputsch gestürzt wurde. Während sich damalige CDU/CSU-Politiker mit Lob über die neu geschaffene „Ordnung“ gegenseitig übertrumpften, wurden in den folgenden Jahren tausende politisch Gefangene verschleppt und bestialisch gefoltert. Maßgeblicher Strippenzieher hinter dem von Augusto Pinochet angeführten Putsch war der Nationale Sicherheitsberater der USA, Henry Kissinger, der nicht einsah, warum man einfach zusehen solle, wenn „ein Land durch die Unverantwortlichkeit seiner eigenen Bevölkerung kommunistisch wird“. Wenige Jahre später bekam er den Friedensnobelpreis.

Damals zeigte sich unverblümt wie selten zuvor der wahre Charakter US-amerikanischer Außenpolitik. Als Verteidigung „westlicher Werte“ getarnt, zielt sie bis heute nur auf ein Ziel ab: Wahrung eigener Wirtschaftsinteressen und die damit verbundene Zementierung bestehender Machtverhältnisse. Dass die Partei Salvador Allendes den Reichtum ihres Landes, allen voran die großen Kupferminen, den Profitinteressen westlicher Konzerne entzogen und zum Wohle der Bevölkerung einsetzten, stellte eine inakzeptable Gefahr für die bestehende Weltordnung dar.
Nachdem die massive Beeinflussung der Wahlen nicht zum erwünschten Ziel führte, entwarf die USA unter dem Namen „Project FUBELT“ einen Plan zur Destabilisierung des Landes, der von einem Kredit- und Handelsembargo über gezielte Lebensmittelverknappung bis hin zur Unterstützung mordender rechter Terrorgruppen nichts vermissen ließ. Dies führte letztlich dazu „die älteste Demokratie Südamerikas zu zerstören und eine friedliebende Nation in ein Schlachthaus zu verwandeln“, wie der „Miami Herald“ zwanzig Jahre später zutreffend titelte.
Der arbeitenden Bevölkerung Chiles wurde schonungslos vor Augen geführt, wie viel den westlichen Staaten Demokratie wert ist, sobald der Kapitalismus in Gefahr gerät. Dass in den folgenden Jahren über eine Million Chilenen vor den Auswirkungen amerikanischer Interventionspolitik fliehen mussten, sollte es zudem den Menschen heute erleichtern zu erkennen, wo die wirklichen Ursachen der aktuellen Flüchtlingsströme liegen.

Zweifellos markierte der 11.9.1973 eine bittere Niederlage im weltweiten Kampf für eine gerechtere Gesellschaft, nichtsdestotrotz haben die vorangegangen Jahre bewiesen, dass ein anderer Weg möglich ist und dieser nur über die Beseitigung kapitalistischer Eigentumsverhältnisse führen kann. In diesem Sinne ist den Worten, die Salvador Allende in der letzten Rede seines Lebens an das chilenische Volk richtete, nichts hinzuzufügen:

„Noch sind sie stark und in der Lage, uns zu unterwerfen, aber gesellschaftliche Prozesse lassen sich weder durch Verbrechen noch durch Gewalt aufhalten. Die Geschichte gehört uns, es sind die Völker, die sie machen.“

Von Daniel Polzin

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