WIR SIND DAS PARADIES

Wir sind Einsamnächte
Heimlich flüstern
Traumvergnügen
Geheimnistun

Grellwinde
taghell sichtbar
alt-lebendig
Fluchtgedanken

Stummdichter
Schriftzug Denken
Wunschort Tagtraum
nie erscheinen, niemals bleiben

Denn wir – das letzte Regenmal –
oft gehört, nie mehr gelebt
gehen und es läuft voran:
Auf Wiedersehen! Ich liebe.

Wir hellen Tage
Blütenbäume Ländermeer
Wachs und Schmerz – unbemerkt
Vergilbte Blumen, sanfte Fern

Wir sind die Nacktkörper
Verlieb dich! Menschenehre:
Malerhülle, Fremdenkleid,
Sehnsuchtsschlinge, Massengier –

Wir sind die ersten Worte
Sprachstörung Ruin
Keine Stille, kranke Körper
Gedankenfallen Dingenkling

Wir sind Hoheitswellen
Selbstverletzung
bleiben stehen gehen tropfen
Chaosnetz, da Ichzerbruch

Wir sind ein Vogelruf:
hier Getier! verschwommen:
schwebend Trauerstaunen,
Wolkenbrechen, Mauernstummen –

Wir heißen Königsstärke,
Schulterlasten, Genickbruchlärm
kein Dulden ohne Grenzen
kein Ausblick – Fernblindzaun

Wir sind die Rettungsufer
Flehe mir, Geschöpf:
trink und heule!
Geld und Wälder!

Die Wahrheit
lichter Galgenhals, Vergangenzeit
Turm ruft Erinnrungstreue
– Dame schweigt.

Wir sind verschieden-zeilenlos
– verlier dich, Denken –
Haar-monie-müh! Harrmonnimüh!
Verirr dich ins Leben, Kind!

Wir! großartig Gesandten
Staub, stumm und blind
sinnentleerter Worteblick
Geschichtsunruhige – Rede, Krieg!

Wir sind der Traumaltar
Buntstift gegen Niederdruck
Verlierertabletten, Rauschverlust
Rauschgiftlust – Guttnacht, du Sonn!

Wir sind Ende, Anfang, mittellos
Herzschlag Endlichkeit
schnelles Ändern
alles Bleiben
nichts bleibt
und verändert
Untergehen
wir gehen unter
los Untergang los
los Untergehen tot
Ruin
Ruin
Traumaltar
Ruin
– trau dich Trauerschmerz, schau hin –
tot liebes Leben tot:
entflammen!

KREANATUR! KREANATUR!

Brennen! Verbrennen! Ich brenne!
Erde brennt
Mensch brennt

Brennen!
die Tiere brennen, die Träume brennen, die Stauwut – sie brennt
das Sein des Ausgeschlossenen – es brennt
das Ertrinken brennt
Frieden brennt das Hassen, doch
Angst brennt die Seele ab

alle Feinde – Freundschaft – Fremde
das Brennen brennt flammenhoch
jeder Mensch brennt höllentief hinab
Höllenmeer, höllenleer – erstricke!

KREANATUR! KREANATUR!

alles brennt nieder und brennt noch mehr!
nichts wird übrig bleiben – ein Feuersturm, der brennt
in jedem einzelnen brennt so laut die Ewigkeit
niemand kann dies Feuer überleben
dies Wissen wird uns davonreißen – auskochen
zermürben, mit züngelnder Feuerzunge zerbrennen
Brennstaaten, Brennmenschen
Brenn, Natur!
Brennnamen. Brenndenken.
Verbrennen! Brennt ab, ihr Engel!

KREANATUR! KREANATUR!

Hinab ihr Höllbauchströme:
Kommt, ihr Teufel! Fresst uns!
Zerfleischt sie! Verbrennt uns!
Brennstabnarben
Brennstabnarben, brennt!


Gedicht von Daniel Noël Fleischmann, 17.Dez`20
Illustration von Kamil Tybel

Foto: Kamil Tybel

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