Theorie

In dieser Rubrik findet ihr Beiträge zu Kunst und Gesellschaft. Es geht um Theorie: um die kritische Anschauung und Betrachtung dessen, was man die Praxis der Kunst nennen könnte, wie Schreiben, Musizieren, Malen, Fotografieren und so weiter. Hier wird Bewusstsein über das künstlerische Tun ausgebreitet, um Kunst als bewusstes Tun zu etablieren, das seinen Horizont ins gesellschaftlich Unbewusste ausdehnt.

Gegenstand der Diskussion ist die jedem Kunstwerk oder künstlerischem Erzeugnis immanente Form-Inhalt-Dialektik. Der eine wie der andere Pol ist nur im Lichte seiner wechselseitigen Verstrickung mit dem anderen zu begreifen, ohne den es zerfiele. Reine Formkunst wie reine Inhaltskunst sind Phantasma ästhetischer Ideologien, die die Repression von und durch Kunst aufrechterhalten. Sie sind Missbrauch der Kunst durch Kulturindustrie. Ihr ästhetischer Schein, den sie durchaus erzeugen, ist vielmehr auf ihren realen Kern zu durchbrechen, der Lüge ist, um falsches Sein zu verewigen. Insofern ist auch Kunst, die vorgibt, formloser Inhalt oder inhaltlose Form zu sein, Kunst, nämlich als Agentin leiblichen Leidens in der Tauschgesellschaft. Wir verstehen solche Kunst als Chiffre, die zur Dechiffrierung auffordert. Die abstrakteste Form spiegelt nämlich ebenso Inhalt wider, wie der expressivste Inhalt sich in irgendeiner Weise formuliert. Wasser aus einer Flasche, abstrahiert von der Form, hilft dem Durstigen nicht, erklärt ihm aber, wenn man die eskamotierte Form freilegt, warum er verdursten soll.

Daneben findet ihr auch Texte, die ermutigen, herrschende ästhetische Formen, die die Thematisierung bestimmter Inhalte verweigern, zu brechen und neue Formen zu entwickeln. Auch die Auseinandersetzung mit ästhetischen Traditionen findet statt: Warum man an sie anknüpfen muss und warum man es lassen sollte, oder was sie überhaupt ausmacht. Schließlich kreisen die Texte um die Schwierigkeit und Notwendigkeit eines Realismus im 21. Jahrhundert, dem wir uns verpflichtet fühlen. Kunst war schon immer ein Versprechen. Dieses Versprechen möchten wir ausloten für heute. Damit laden wir zur Diskussion ein.

In »Ästhetik« sind Texte, die sich mit Kunst überhaupt und allgemeinen Fragen und ästhetischen Problemen beschäftigen.
In »Künste« sind Texte, die sich mit bestimmten Künsten beschäftigten, das heißt mit Fragestellungen, die nicht zwingend auf andere Künste übergreifen.
In »Gesellschaft« sind Texte, die sich mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigen, eben weil ästhetische Antworten in gesellschaftlichen Fragen zu suchen sind.