Freiheit heißt Verantwortung.

Noch nie zuvor war der Einzelne so sehr mit dem Rest der Weltbevölkerung verflochten wie heute. Wir, die Jugend Europas, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, genießen dadurch einen nahezu unendlichen Handlungsspielraum und mit ihm, grenzenlose Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Mit anderen Worten: Wir sind die Ersten, denen das Privileg der Freiheit zuteil wurde. Dieses Privileg ist uns keineswegs in die Wiege gelegt worden. Es hat viele Opfer abverlangt und dies tut es weiterhin. Freiheit bedarf eines unbedingten Gegenwertes, seines Gegenstückes. Freiheit heißt Verantwortung!

All unser, nach außen hin getragenes Handeln bringt eine Folge mit sich – Es lebt in ihnen auf und überdauert in ihren Ausdrücken. Unser Handeln setzt also Mechanismen frei, die unsere Umwelt gestalten. Die Unmittelbarkeit dieser Kausalzusammenhänge wird zunehmend ausgeblendet von Selbstbeschäftigungsangeboten, die uns täglich nahe gelegt werden. Dabei hat jede unserer sozialen Handlungen unmittelbare Auswirkungen auf unsere Mitmenschen und wiederum mittelbare auf uns. Nicht nur die aktive Einflussnahme ruft Folgen hervor, sondern auch die passive Untätigkeit. Wir, die Privilegierten dieser Welt, haben die unbedingte Verantwortung die Auswirkungen unserer Taten, die sich sowohl lokal als auch global äußern, zu erkennen, Rechenschaft über sie abzulegen und Dysfunktionen zu beheben, um in Freiheit leben zu können. Wir müssen unseren falschen Begriff der Verantwortlichkeit, der uns dazu treibt, uns für die Zukunft aufzusparen, aufgeben. Durch das fortwährende Zusammenwachsen der Welt, das wir vorantreiben, und den dadurch resultierenden Handlungsmöglichkeiten, die wir uns einräumen, wurde uns eine Verantwortung, mehr noch, eine Bringschuld auferlegt, der wir gerecht werden müssen – Allen voran, um der Freiheit und seiner Erhaltung willen. Werden wir ihr nicht gerecht, dann wird unsere Freiheit, früher oder später, bitterlich verkommen.

Wir produzieren und verwerfen Müll unablässig, wissen uns aber nicht mit einer nachhaltigen und ökologischen Lösung zu helfen. Wir kaufen Kleidung einer bestimmten Marke oder eines bestimmten Labels, schauen aber weg, wenn es um die Frage nach dessen Herkunft oder dessen Produktionsbedingungen geht. Wir nutzen soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter etc. oder andere Internetdienste, scheren uns aber nicht um das weitere Verfahren unserer Kundgabe digitaler Informationen. Wir bedienen Smartphones, wie das Natürlichste auf der Welt, werden mit ihnen geboren und erwachsen, doch bleiben weitestgehend still, bei der Tatsache, dass sie als mobiles Überwachungsgerät zweckentfremdet werden. Dies sind nur einige wenige Missstände, die dem Grunde nach Jedermann betreffen. Ganz zu schweigen von Themen, bei denen wir uns des Nachdenkens nicht genug bemühen können, wie der demografische Wandel, der Klimawandel, die digitale Revolution, das Wettrüsten, die moderne Kriegsführung, die Jugendarbeitslosigkeit in Europa, das Gefälle zwischen Armut und Reichtum, die europäische Krise, das Leben auf Pump und die schier grenzenlosen Schulden zu Lasten unserer Nachfahren. Die Kehrseite einer einseitig vergoldeten Medaille glänzt nicht.

In dem vom Pragmatismus geprägten politischen Leben bleiben Regelwerke, wie Beschlüsse, Gesetze, Verordnungen oder Satzungen, Missständen gegenüber oft hintenan, denn Regelungsbedarf entsteht erst dann, wenn man das Wort ergreift und danach fordert. Akteure, sowohl aus Politik als auch aus Wirtschaft, verstehen Gleichgültigkeit als Zustimmung zum „Weiter-So“, denn Teilnahmslosigkeit vermittelt ihnen Zufriedenheit. Diese Begriffsstutzigkeit lässt sich nicht einfach so verwischen. Sie räumt erst dann ihren Platz für Tatkraft ein, wenn ihr durch die Wahrnehmung eigener Verantwortung die Stirn geboten wird.

Im Bestreben nach Anerkennung finden wir uns in einer wechselseitigen Selbstvermarktung wieder, in der wir mit der nutzbringenden Optimierung unseres ‚Profils‘ beschäftigt sind. Wohlwissend, dass wir Geltung, Akzeptanz und Respekt suchen – die Gunst des Aufrichtigen -, verlieren wir uns in einer allürenhaften Maskerade. Die Schuldfrage wird dabei leicht abgetan: Oft sind es die „Anderen“, die Schuld seien. Es ist an der Zeit aus der in Watte gepackten Isolation hervorzutreten, die Augen zu öffnen und sich mit den Leiden und Nöten dieser Welt zu beschäftigen. Wir stehen in der Verantwortung!

Von Mesut Bayraktar und Kamil Tybel

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