„Kleiner Mann – was nun?“ – Hans Fallada

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Johannes Pinneberg, der kleine Mann, beweist uns, dass Pflichtbewusstsein, Treue und Loyalität in guten Zeiten nicht regelmäßig einen Aufstieg versprechen doch in schlechten, widrigen Zeiten gewiss vor dem Absturz bewahren.

Um 1930-1932, kurz nach der Weltwirtschaftskrise 1929, die Weimarer Republik zerreißt sich politisch in links und rechts, eine Führung ist nicht zugegen, sozial beginnen die Spaltungen, der Antisemitismus ist da, die SA treibt ihr Unwesen, privat ist man auf sich bedacht, die Inflation erreicht ein Übermaß, die Arbeitslosigkeit den Grad des Unzumutbaren; diesen Bedingungen mitten in Berlin ausgesetzt, fragt sich der Leser „was nun“, wenn der kleine Mann mit seinem Mittelmaß das einzige, man möchte fast sagen flache und schlichte Bestreben zu verwirklichen versucht, das ihn treibt: mit seiner Geliebten „Lämmchen“, eine Tochter des Proletariats, zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Eine Hürde überwunden, prallt er auf die nächste, doch ohne über seine Lage jammernd, noch über die ihm widerfahrenden Ungerechtigkeiten klagend, macht er das, was der mittelmäßige, unpolitische Mensch in der Not zu tun pflegt, um sich und seinesgleichen zu erhalten: arbeiten, arbeiten, arbeiten und nicht denken.

Der kleine Mann lehrt uns, dass Handeln mehr wert ist als Beklagen. Eine biblische Bestimmung scheint bei Pinneberg Praxis zu werden: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist.“

Nebenbei schildert uns Hans Fallada mit seinem trockenen, fast sachlichen Realismus ein unbestechlich-klares, unbefangenes Bild der Verhältnisse und des Lebensalltags jener Zeit, sodass man angesichts Januar 1933 rückblickend erstaunt und mit gewissem Unbehagen feststellen muss: Hitler war eine Frage der Zeit.

Insofern hat der Roman, der 1929 erstmals erschienen ist, den Charakter eines historischen Dokuments.

 

Von Mesut Bayraktar

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