„Der Herr der Fliegen“ – William Golding

3-596-21462-9Jede menschliche Aktion in seinem Mikrokosmos ist Resultat einer individuellen Entscheidung. Das Individuelle ist wiederum Resultat des Dreigestirnes aus Erziehung, Erfahrungen und Umfeld. Letzteres dominiert, angesichts des Harmoniebedürfnisses und der Unbeständigkeit der repräsentativen menschlichen Natur.
Das Buch stellt wunderbar dar, wie dieses Dreigestirn das Leben von gestrandeten Kinderbewohnern auf einer einsamen Insel prägt. Eine Reise beginnend mit zivilisierter und friedlicher Demokratie, fortgesetzt mit zunehmender Quasi-Anarchie und schlussendlich resultierend in gewalttätiger Schreckensherrschaft, der Tyrannei. Wegweiser bei dieser Reise waren dabei der Trieb, „die Finsternis in des Menschen Herz“, und die Angst der Kinderbewohner auf der einsamen Insel.
Vernunft wurde Geschlagen durch Angst und Angst machte die Menschen unsicher und wild und führte Sie zur Raserei. Eine einer Ekstase gleichende Hetzjagd, in der die wenigen verbliebenen Widerspenstigen, die die Vernunft weiterhin preisten, verfolgt wurden, war das Ende der Machtverschiebungen und endete nur durch für die Kinder übernatürlich wirkende Kräfte, der Rettung von der Insel durch erwachsenes Militär. Es wird gebüßt und geweint und die Schuldigen werden mitfühlend frei von Schuld gesprochen. Ein religiöses Ritual.
Beeindruckend an diesem einfach verfassten Werk, ist seine Poesie, die durch eindrucksvolle Naturbeschreibungen innere Bilder erzeugt. Und doch lebt die Geschichte vor allem durch ihre nachvollziehbare Dynamik, der Verschiebungen der Machtgefüge auf der Insel, die als Gleichnisse aufgefasst den Kern geschichtlicher wie als auch aktueller Strukturen in ihrem Fundament trifft und erklärt.
Ein Zynismus macht sich beim Lesen breit, mit der Erkenntnis: Das Tier ist etwas, das man jagen und töten kann. Das Tier lebt im Menschen. Der Mensch jagt und tötet nicht nur das Tier, sondern auch den Menschen. So gesteht er, stillschweigend, seine Teilhabe am Tierischen ein. Vernunft geschlagen durch Trieb und Angst. Ein nachvollziehbares Armutszeugnis der Menschheit.

Von Andreas Bill

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