Rechtfertigung

Heute, da will ich es einem guten Freund gleichtun,
nicht plaudern, weder zögern, noch ruhn.
Keine Fassade, kein lyrisches Ich,
keine leeren Worte mehr, nicht noch ein hohler Abstrich.

Versteht ihr? Dies hier ist kein Gedicht.
Ja es reimt sich! Aber warum weiß ich selber nicht.
Denn ungereimter könnten unsere Tage kaum sein,
in diesem mit Blut erbauten Hain,
den wir unser Zuhause nennen,
in dem wir fressen, scheißen und pennen,
während draußen Andere hungern, frieren und rennen.
Wo wir alles haben wollen, wo wir alles konsumieren,
und uns zufrieden dabei ihre Doktrin einmassieren.

Wisst ihr nicht, dass so wie wir leben,
ich meine dieses ewige Nehmen und nie Geben,
dass dies falsch ist?
Egal mit welchem Maßstab man misst?
Und wisst ihr nicht, dass die Welt größer ist, als das was eure Augen sehen?
Dass wir verbunden sind mit anderen, könnt ihr das etwa nicht verstehen?

Das Wissen ist doch bereits da, es ist doch bekannt,
was hier wirklich vorgeht in diesem Deutschland.
In diesem Westen bevölkert von den Guten,
die die Bösen jagen mit spitzen Haken und Ruten.
Es ist ein Vertrag, den wir im Stillen mit den Herrschenden geschlossen haben,
wo kleingedruckt steht: „Du hast nicht zu fragen, sondern dich an deinem grenzenlosen Spaß zu laben.“
Wo steht: „Der Mensch ist nichts weiter als ein Tier, drum soll er sich ruhig fressen,
sich bis auf den Tod mit seinem Mitmenschen messen.
So lange bis nur noch einer steht
und die Welt sich nicht mehr windet und nicht mehr dreht.“

Ich weiß, ihr alle habt eure Probleme
und ich weiß, dass keiner will, dass ich es erwähne,
dass ich ausspreche, was wir alle in uns versteckt halten.
Hinter unserem Lachen, hinter unserem fröhlichen Verhalten.

Ich weiß, dass ihr euch alle nach etwas sehnt,
etwas in euch, wild und ungezähmt,
etwas, dass nach mehr schreit
und sich nicht einfach stupide mit dazu reiht.

Und ich weiß auch, dass ihr euch fürchtet, dass ihr Angst habt,
dass ihr manchmal nicht weiter wisst, nichts hilft, weder Tat noch Rat.
Wisset, ihr seid nicht allein, denn mir geht es auch so.
Ich kenne dieses Gefühl, wenn alles erscheint karg und roh.

Dieses Gefühl, wenn man das Blut an seinen Händen das erste Mal sieht,
dann die Augen zudrückt und schnell vor dieser bitteren Wirklichkeit flieht.
Doch jeder Schritt in die falsche Richtung hat den Preis eines Menschenlebens,
niedergelegt zu unseren Füßen, sind es Opfer unseres niederen Strebens.

Ich weiß nicht, wie es um dich steht,
du, dem man diese Schrift in die Hand gelegt.
Aber ich bin ein Mensch und deshalb frage ich nach dem Grund,
warum ich sicher bin und gesund?
Warum gerade ich in Wohlstand lebe, frei von Not?
Und warum nicht ich der arme Teufel bin, dem fehlt sein täglich Brot?

Und die Antwort, die ich fand, die war bitter und schwer zu tragen,
doch will ich die Wahrheit ehrlich wagen.
Wir sind es, die es zu verschulden haben,
wir alle halten das Messer und ritzen tiefe Narben.
Ich habe nichts von all dem verdient,
belohnt sollte der werden, der dir und mir täglich dient.
Der, der sich mit den Augen nicht sehen lässt.
Fern ab von deinem und meinem gemütlichen Nest.
Der arbeitet für einen Lohn, von dem er sich nicht einmal ernähren kann.
Der jeden Tag gegeißelt wird vom ignoranten und korrupten Tyrann

Verdammt, sieh doch endlich hin!
Denn wir alle stecken mit drin!
Wir sind Sklaven mit einer Peitsche in der Hand,
und stellen täglich andere Sklaven an die Wand.
Es ist an der Zeit sich umzudrehen
und den Peiniger in unserm Rücken anzusehen.
Die Peitsche in seine Richtung zu lenken,
und seinen Worten keine Beachtung mehr zu schenken.

Denn in einer Welt ohne Gott,
da braucht ein Mensch mehr als den ganzen käuflichen Schrott.
Er braucht eine Rechtfertigung zum Leben,
einen Antrieb, einen Sinn und den kann er sich nur selber geben.

 

Von Kamil Tybel